Gute Hausverwaltung, schlechte Hausverwaltung…

Immer wieder höre ich bei mir auf Arbeit Sätze wie „Die Mieter wissen gar nicht, wie gut sie es haben.“ oder „Ich wäre froh, wenn meine Hausverwaltung/Wohnungsbaugesellschaft sowas noch anbieten würde.“. Damit haben die Kolleginnen (die Herren halten sich mit ihren Äußerungen gern zurück) gar nicht mal so unrecht.

Tagtäglich befinden wir Servicecenter-Mitarbeiter uns in einem Wechselbad der Gefühle und springen von einer Hausverwaltung zur anderen (kommt ganz auf die Anrufe an). Während in einem Gespräch sich ein Mieter bei Hausverwaltung A* über einen undichten Waschmaschinenanschluss beklagt und man dort sofort den Hausmeisternotdienst hinschicken kann, erreicht man bei Hausverwaltung B* nie den Kundenbetreuer – selbst während der regulären Sprechzeiten nicht.

Auf Rückrufwünsche der Mieter, welche durch uns angelegt werden, wird natürlich auch nicht reagiert. Diese werden bei Hausverwaltung B* einfach nur mit dem Kommentar „erledigt“ (mit einem „erledigt“ interpretiere ich eigentlich, dass der Rückruf erfolgt ist) geschlossen. Auf Nachfrage beim Mieter – nachdem dieser erneut anruft und eskaliert – ob der Kundenbetreuer denn nicht zurückgerufen hätte, bekommt man nur ein „Bei mir hat sich niemand gemeldet!“ zurückgebrüllt. Ja, liebe Hausverwaltung B*, genau so verschafft man sich einen bleibenden Eindruck beim Mieter. Meine KollegInnen und ich sind uns einig: Niemals Hausverwaltung B*

Auf Grund meiner vorherigen Blogeinträge hat man mir noch die eine oder andere Sache geschildert. Hierbei ging es um eine Wohnungsbaugesellschaft, die ähnlich gestrickt ist, wie Hausverwaltung B* (Kundenbetreuer < "Gruppenleiter" < Geschäftsführung/Vorstand). Eine alte Dame rief bei der Hausverwaltung an und beklagte sich, dass die Heizung so laut rauscht, dass man nachts keinen Schlaf findet. Als Antwort bekam sie nur ein "Dann müssen Sie sie abstellen. Dann rauscht sie auch nicht mehr.". Der Mangel wurde während der regulären Geschäftszeiten (zwischen 8 und 17 Uhr) gemeldet - und passiert ist wochenlang nichts. Wäre es der einzige Anruf dieser Dame gewesen, könnte man meinen, dass ihr Gegenüber einen schlechten Tag gehabt hat. Sie rief aber mehrfach an und bekam jedes Mal von mehreren Mitarbeitern patzige Antworten. So schlief die alte Dame im Wohnzimmer auf der Couch - über Wochen. Irgendwann stand der Wechsel der Wasseruhren bevor: Nach dem Wechsel der Wasseruhren fiel ihr auf, dass die Möbel aufquollen. Sie schaute genauer nach und stellte fest, dass ein Absperrventil undicht war. So rief sie sofort die Hausverwaltung an und schilderte den Vorfall. Nachdem das Fräulein von der Hausverwaltung meinte, dass man das ja merken müsste, wenn es irgendwo tropft und sie für den Schaden nicht aufkommen werden. Auf die Einwände - die Wasseruhr befindet sich an einer Stelle, an die sie auf Grund ihres Alters nicht mehr täglich nachsehen könnte - wurde gar nicht eingegangen - wieso auch? Mit den alten Leuten kann man es ja machen! Denkste! Sie hat ihren Sohn zu Hilfe gerufen und er hat sich bis zum Vorstand durchgekämpft...und innerhalb weniger Stunden meldete sich dann auch jemand bei der Dame, welcher sich darum kümmerte, die Beseitigung der Mängel voran zu treiben. Die alte Dame, von der ich hier rede, ist meine Oma und ihr Sohn - wie sollte es auch anders sein - mein Vater. Nur was machen die Leute, die keine Angehörigen mehr haben? Da lobe ich mir die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Die privaten Hausverwaltungen sind meistens eine Qual (meine ausgenommen). Hinter diesen stecken meist nur Investoren, die jede Menge Kohle sehen wollen. Das Wort "Heuschrecken" für die Investoren besteht nicht ohne Grund: Alles abfressen/aussaugen, bis es nichts mehr gibt...und dann gehts weiter zur nächsten "grünen" Wiese.

Warum der weiße Rauch eigentlich schwarz sein sollte…

Der neue Papst ist gewählt. Während sich die römisch-katholischen Anhänger (1,2 Mrd weltweit) über ein neues Kirchenoberhaupt freuen, fragt sich die schwul-lesbische „Gemeinschaft“, in welchem Jahrhundert die Kirche hängen geblieben ist.

Wie kann man eine Person wählen, die sich gegen die Gleichstellung aller Menschen dieser Erde einsetzt und gegen die Abtreibung (hier ist das Ergebnis eines sexuellen Übergriffs gemeint) ist. Auch ist diese Person gegen die Verwendung von Kondomen. Kurzum: Man ist gegen alles, was die heutige Gesellschaft bunt erscheinen lässt – die sexuellen Übergriffe meine ich damit natürlich nicht.

Die Kirche klagt, dass immer mehr aus dieser austreten. Gedanken hat man sich über das „Warum“ anscheinend noch nicht gemacht. Warum auch? Die Glaubensanführer haben ihr Leben ohnehin hinter sich und denen kann es eigentlich egal sein, was nach ihnen kommt. Und mit den Milliarden, die hierzulande in diese Glaubensgemeinschaft gepumpt werden, lässt es sich doch trotzdem noch gut leben, oder?

Zum Glück sind nicht alle Glaubensanhänger der selben Meinung wie der jeweils amtsinhabene Papst (z. B. Homosexualität = unnatürlich/krank). Ansonsten hätten wir womöglich wieder Zustände wie in den 30er/40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

In diesem Sinne: Auf geht’s in eine neue Diskriminierungsrunde. (Warum kann man den Papst eigentlich nicht anzeigen?)

Wen es interessiert: Der neue Papst, Franziskus I., hat seine Wurzeln in Italien, in Deutschland studiert, lebte bis jetzt in Argentinien und heißt mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio.

Pro Schneeflocke = eine Beschwerde…oder wie war das doch gleich?

Sobald die erste Flocke vom Himmel fällt kann man auch davon ausgehen, dass auch schon der erste Mieter in der Leitung hängt, um sich über die nicht weggefegte Schneeflocke zu beschweren. So auch mehrfach am vergangenen Wochenende geschehen.

Die Fahrpläne der BVG sehen ja Sonntagmorgen etwas anders aus als für den Rest der Woche, weswegen ich von meinem üblichen Arbeitsweg etwas abweichen und durch den Stadtteil fahren musste, in dem (arbeitsbedingt) „meine“ Wohnungsbaugesellschaft die meisten Wohneinheiten besitzt (schätzungsweise 20.000). Wie es der Zufall so wollte fing es Samstag Abend in Berlin ordentlich an zu schneien – und es wollte bis Sonntag Mittag auch nicht aufhören. So hielt ich mit meinen müden Augen Ausschau nach den Winterdiensten in dieser Gegend. Schließlich macht man sich ja doch auf dem Weg zur Arbeit Gedanken über das, was einen erwarten könnte.

Kurz vor 8 Uhr auf Arbeit angekommen informierte ich die Kolleginnen sofort darüber, dass im oben erwähnten Stadtteil der Winterdienst unterwegs ist und die Hauptgehwege auch einmal geräumt wurden, allerdings wieder alles zugeschneit ist. Daraufhin erzählte eine Kollegin von ihrem ersten Anruf, wo die Mieterin fragte, ob sie denn selbst den Schnee räumen soll – dieser Anruf erfolgte am Sonntag Morgen kurz nach 6 Uhr, während es noch kräftig schneite.

Ich lag mit meinen Gedanken also gar nicht so falsch: Massenhaft Beschwerden wegen nicht geräumter Gehwege.

So meldeten sich noch zahlreiche Mieter, die sich mit dem Hinweis auf das Berliner Straßenreinigungsgesetz nicht zufrieden geben wollten.

Die letzte Beschwerde ging aus einem Randgebiet von Berlin ein, wo ich darauf hinwies, dass selbst in den starkfrequentierten Gebieten der Stadt der Schnee noch nicht geräumt sei, weil die Winterdienste (egal ob privat oder die städtischen Räumdienste) einfach bei dem Schneefall nicht hinterherkommen. Auch hier wurde wieder auf die Gesetzeslage verwiesen. Als Reaktion erhielt ich nur noch ein „Sie wollen es nicht weitergeben?! Dann werde ich mich über Sie und über die Winterdienstfirma beschweren!“. Mein Gedanke war „Soll sie doch…das Gesetz sieht es etwas anders als sie“. Die Dame mag kaum älter als ich gewesen sein.

Vielleicht sollte ich meine Vermieterin auch mal mit solch belanglosem Zeug nerven. Klar: Ich musste mich Sonntag früh auch erstmal vortasten um zu gucken, wo der Gehweg endet und die Straße anfängt. Ich kann auch die Beschwerden der Mitmenschen nachvollziehen, die auf Gehhilfen angewiesen sind und sich damit im Schnee nicht so fortbewegen können, wie es ohne Schnee der Fall wäre. Allerdings sollte man auch mal den Kopf einschalten und darüber nachdenken, weswegen die Wege nicht überall bei starkem Schneefall gleichzeitig geräumt sein können.

Die Hausverwaltungen versuchen die Kosten für die Mieter so gering wie möglich zu halten. Die Winterdienstfirmen geben auch ihr bestes, denn sie wollen die großen Aufträge auch nicht verlieren. Wenn man die Berliner Gesetzgebung übererfüllen will – hier müsste hinter jeder Ecke ein Schneeräumfahrzeug stehen, müsste man als Mieter allerdings ordentlich draufzahlen. Aber auch hier würde es wieder ordentlich Kritik hageln.

Anstatt sich bei seiner Hausverwaltung zu beschweren sollte man dies beim Senat machen. Allerdings muss man dann auch wieder höhere Mieten wegen geänderter Gesetze in Kauf nehmen. Wer Komfort haben möchte sollte auch dafür zahlen.

„Ich weiß ja, Sie können nichts dafür, aaaaber…“

Meinereiner ist ja in der glücklichen Lage, auch am Wochenende arbeiten zu dürfen. Samstag und Sonntag sind die beiden Tage, an denen man sich zwischen den Anrufen auch mal mit den lieben Kollegen über die Anrufer unterhalten kann. Es ist erstaunlich, was dort alles zu Tage kommt. Aber lest selbst…

Frau S. meldete sich heute bei mir und fragte mit sehr kräftiger Stimme nach der Telefonnummer des Hausmeisters…sie könne seit Tagen nicht mehr ruhig schlafen. Ich erklärte ihr, dass ihr Hausmeister am Wochenende nicht erreichbar sei, sie ihn aber am Montag wieder sprechen könne. Noch bevor ich Frau S. nach dem Grund ihres Anrufes fragen konnte schallte mir ein „Geben Sie mir die Nummer vom Hausmeister!!!“ entgegen. Der kleine böse Mann auf meiner rechten Schulter flüsterte mir ins Ohr, dass man auf dieses Gebrüll ganz gelassen und entspannt reagieren sollte und so sagte ich mit ruhiger Stimme „Sie brauchen mich nicht anschreien, ich verstehe Sie auch so ganz gut.“ Der kleine „Schultermann“ wollte sie wahrscheinlich so zur Weißglut bringen. Sein Vorschlag war hervorragend, denn ich hörte nur noch ein durch leichtes Knacken in der Telefonleitung durchsetztes „ICH SCHREIE NICHT!!!“.

Ich sagte meinen Kolleginnen, dass die Dame wahrscheinlich gleich wieder anrufen wird – obwohl ich die Mieterin darauf hinwies, dass am Wochenende nur der Notdienst erreichbar ist. Ein paar Minuten später kam sie dann auch bei meiner Kollegin raus (Glaskugel sei Dank). Was mich jedoch verwunderte war, dass es aus dem Haus kurz nach dem Wutanfall von Frau S. keine Beschwerden wegen massiver Lärmbelästigung gab.

Ein anderer Fall: „Guten Tag, mein Name ist A., bin ich da bei Unternehmen XY?“ Natürlich war sie das, schließlich habe ich vor der Nennung meines Namens den des Unternehmens genannt. „Ja, Sie sind hier im Notdienst des Unternehmens XY.“. Frau A.: „Ah, das ist gut. Eigentlich ist es ja auch so eine Art Notfall! …“ – man kann sich vorstellen, wo meine Gedanken wieder kreisten (tropfende Wasserhähne, kalte Heizkörper in der Küche etc.). Doch es kam anders: „… Wir suchen eine Wohnung.“ NEIN! Bitte nicht auch das noch! Ich hatte ja mit vielem gerechnet…aber damit? Ich bat Frau A. sich am nächsten Werktag ab 9 Uhr nochmal zu melden.

Kinder..hmm…Kinder…was war doch gleich nochmal mit den Kindern. Ach ja! Dass die ständig vorgeschoben werden wegen irgendwelcher Nichtigkeiten wisst ihr ja schon. Auch was Notfälle sind, haben wir in den vergangenen Wochen gelernt. Allerdings nicht Frau B. (nein, nicht die Chefin!), die in den letzten Wochen gekonnt meine Blogeinträge ignoriert hat (wird Zeit, dass dieser weiter verbreitet werden):

„Unser Wasserhahn tropft so stark, dass wir das Wasser über den Absperrhahn ganz abdrehen mussten.“ – Na? Wer hat aufgepasst? Notfall oder kein Notfall? 🙂
„Wo befindet sich denn der Wasserhahn? Badewanne, Küchenspüle oder Handwaschbecken?“
„Handwaschbecken! Aber jetzt am Wochenende wird das bestimmt nichts mehr, oder?“. Hat sie meinen Blog doch gelesen? Verwirrung machte sich breit.
„Richtig. Ich mach einen Auftrag fertig für die Firma. Diese wird sich dann nächste Woche bei Ihnen melden.“ Die folgenden Worte von Frau B. verwirrten mich umso mehr:
„Wie? Heute kommt niemand mehr? Ich habe drei Kinder zu Hause blablabla…“.

Und da waren sie schon wieder…es gibt Vorwände, die man irgendwann nicht mehr hören kann…und dazu gehören definitiv die Kinder dazu – unabhängig davon, dass Kinder, die sich im Alter derer von Frau B. befinden, ohnehin nie die Hände nach jedem Toilettengang waschen. Nachdem ich dann auch mit meinem Standardspruch (…es besteht keine Gefahr für Leib und Leben.“) kam war nur noch ein „so ein Saftladen“ zu hören. Frau B. wird sich noch umgucken, wenn sie in 10 Jahren erstmal blättern muss, welche Firma zu beauftragen ist. Viele Leute wissen einfach nicht, wie gut sie es haben.

Um euch nicht zu überfordern, soll es das erstmal gewesen sein. Es wird fleißig weiter gesammelt und veröffentlicht 🙂

Eine Bitte habe ich noch: Tut euren Ansprechpartnern in der Hotline den Gefallen und fangt die Sätze nicht mit „Ich weiß ja, Sie können nichts dafür, aaaaaber…“ an. Auch sollte man sich erst recht nicht nach diesem Satzanfang auskotzen, wie scheiße doch alles ist und man schon x-mal angerufen hat. Das interessiert euren Gesprächspartner nicht. Ihm geht es nur um Fakten, Fakten, Fakten… In einem kleinen Nebensatz darf gern die Anzahl der bisherigen Anrufe erwähnt werden…aber bitte bitte nicht 10 Minuten darauf rumreiten. Die Service-Mitarbeiter werden es euch danken und euer Anliegen schnellstmöglich an die entsprechende Abteilung weiterleiten 🙂

Böses böses Hartz IV!

Gestern lief im Fernsehen ein Beitrag über eine senderinterne Studie zu Hartz IV. Man wollte herausfinden, wie sinnvoll Hartz IV ist und so wurden die Leistungsempfänger über einen gewissen Zeitraum beobachtet.

So wurde ein Herr gezeigt, der seit mehr als einem Jahrzehnt Bezüge vom Staat erhält und sich darüber beschwert, dass er nur ca. 170,- Euro zum Leben hat. Natürlich wurden von diesem Betrag schon 50,- Euro wegen zuviel gezahlter Leistungen abgezogen. Ausbildung und Studium hat er abgebrochen. Seitdem zahlt für ihn der Staat.

Ein anderer Fall betrifft eine 2-fache Mutter, die schon über 170 Bewerbung geschrieben haben will. Sich dann aber noch im Fernsehen dahingehend äußern, dass die Arbeitszeit nicht passt etc…das grenzt schon an Dreistigkeit. Die Frau ist heute 33 und bezieht „seit 13, fast 14 Jahren“ Sozialhilfe/Hartz IV. Natürlich wurde die Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen auch abgebrochen und dann kamen auf einmal die beiden Kinder dazwischen. „Madame“ weiß so gesehen gar nicht, was es bedeutet arbeiten zu gehen.

Diese beiden Fälle sprechen doch für sich: Wer sich vor ein Millionenpublikum hinsetzt und behauptet, es gäbe für unter 40-jährige keine Arbeit, dem ist nicht mehr zu helfen. Allerdings sollten diese Personen auch keine Hilfe mehr vom Staat erwarten dürfen. Mir tun im letztgenannten Fall der zweifachen Mutter die Kinder leid, die es von ihr nicht anders vorgelebt bekommen.

Auch wurde über Personen berichtet, die auf Grund ihres Alters oder wegen ihrer Überqualifikation vom Jobcenter keine Arbeitsstelle angeboten bekommen. Natürlich gibt es Regionen in Deutschland, wo man in der näheren Umgebung einfach keine Arbeit findet. Als alleinstehende Person sollte man sich dann aber überlegen, ob man nicht umziehen sollte. Und als Familie – sofern beide von Hartz IV betroffen sind – sollte man sich die gleichen Gedanken machen. Was bringt es, wenn man Jahrzehnte in einem Nest lebt und den eigenen Kindern auf Grund der wirtschaftlichen Misere nichts bieten kann?

Bei mir auf Arbeit gibt es Kolleginnen, die eigentlich schon ihr Rentnerdasein genießen könnten. Stattdessen gehen sie weiter arbeiten. Daran sollte sich so mancher Jungspund in diesem Staat mal ein Beispiel nehmen.

Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie diejenigen gekotzt haben, die 40 Stunden/Woche arbeiten gehen und auf Grund des niedrigen Lohnniveaus auf ergänzende Leistungen des Staates angewiesen sind, um wenigstens das rauszuhaben, was einem Hartz-IV-Empfänger zusteht. Auf der anderen Seite genießen diese Personen jedoch die Erfüllung, für etwas gebraucht zu werden und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen.

Übrigens: Vor 8 Jahren war ich auch für ein halbes Jahr vom Sozialamt abhängig und ich war froh, dass ich dort wieder raus bin. Auch wenn ich jetzt soviel verdienen würde, wie ein Hartz IV-Empfänger…ich würde dennoch weiter arbeiten gehen. Alles andere verbietet mir meine Erziehung.

Wie die Dame im Beitrag richtig sagte: „Wer arbeiten möchte findet auch Arbeit.“

Bevor wir zum Ende kommen: Natürlich wurde im privaten Fernsehen mal wieder maßlos übertrieben. Bewusst hat man sich die Gegensätze rausgesucht. Zwei Personen, die Arbeit gefunden haben und zwei Personen, die seit Ewigkeiten auf Kosten der Steuerzahler leben. Würde es heute Hartz IV nicht geben, dann wäre es das böse Arbeits- und Sozialamt gewesen. An den Sanktionen hat sich nicht wirklich etwas geändert. Es lebe die Dramaturgie!

Anmerkung
Mit diesem Beitrag möchte ich weder alle Hartz-IV-Empfänger über einen Kamm scheren, noch die Dumpinglöhne einiger Unternehmen befürworten. Vielmehr richtet sich dieser Beitrag gegen die unter-35-Jährigen, welche noch nie in ihrem Leben arbeiten waren und der Meinung sind, man findet keinen Job. Übrigens kann die Politik auch nichts mehr gegen Dumpinglöhne ausrichten. Das Sagen hat heutzutage die Wirtschaft!

Reden wir doch mal übers Wett…Klima

Ein trüber, (gefühlt) kalter Winter liegt hinter uns. Nach den letzten Tagen könnte man meinen, dass es nun mit Volldampf in den Frühling geht. Denkste! Derzeit sieht es ganz danach aus, als wolle sich nochmal übers Wochenende eine Schneedecke über die Straßen Berlins legen. Man sollte sich eben nicht zu früh freuen.

Der vergangene Winter war übrigens von den Temperaturen her eher durchschnittlich, sehr sonnenscheinarm und zu niederschlagsreich. Da ist es verständlich, dass sich jeder von uns endlich nach dem Frühling sehnt. In Bussen und Bahnen hört man ja, dass der April und Mai besonders schön und vor allem warm werden sollen. Aha! Na wer hat denn da wieder die Glaskugel gezückt? Das kann doch wieder nur von seriösen Tageszeitungen kommen. Sicher ist, dass nichts sicher ist, denn die Meteorologen kommen schon bei einer Wettervorhersage von 3 Tage + X arg ins Schleudern.

Der Winter 2012/2013 war in Deutschland im Durchschnitt 0,1 Kelvin zu warm. Auf die entsprechenden Titelseiten der Tageszeitungen mit den großen Lettern bezüglich des Klimawandels wartete man jedoch vergebens. Warum? Man neigt doch sonst zu maßlosen Übertreibungen!

Klimatischer Fakt ist: Es würde jetzt auch ohne den Eingriff des Menschen wärmer werden. Die Aussagen, die man ständig überall hört/liest, der Mensch sei allein an der Klimaerwärmung und somit am Abschmelzen der Polkappen schuld, ist Müll. Im Laufe der Erdgeschichte waren Nord- und Südpol schon des Öfteren eisfrei. Auch war es – global gesehen – schon wesentlich wärmer, als es heute ist.

Es ist auch Fakt, dass das Individuum Mensch den natürlichen Verlauf der Klimaerwärmung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe beschleunigt, so dass sich die Natur nicht schnell genug anpassen kann.

Allerdings hätte man schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts damit beginnen müssen, nach alternativen Energiequellen zu suchen. Die Beschleunigung der Erderwärmung wird man nun nicht mehr aufhalten können (auch dann nicht, wenn jeder Bürger 10.000,- Euro Ökosteuer im Jahr zahlen müsste, liebe Politiker!). Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, weswegen man nun sofort auf erneuerbare Energien umsteigen muss. Wir haben doch eine klimaneutrale Möglichkeit Strom zu erzeugen! Aber das wird Thema eines anderen Blogeintrags.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Unerwünschte Werbeanrufe kennt jeder. Allerdings habe ich in den letzten Wochen eine Beobachtung gemacht, wo ich aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen bin.

Am 26. März 2009 beschloss der Deutsche Bundestag, dass bei Werbeanrufen vorab die ausdrückliche Zustimmung des Angerufenen eingeholt werden muss. Darüber hinaus ist immer die Rufnummer zu übertragen, so dass der jeweilige Anbieter auch wieder zurückgerufen/zurückverfolgt werden kann. Diese Änderung trat am 04. August 2009 in Kraft.

Schön, dass es dieses Gesetz gibt. Schön ist auch, dass sich alle Anbieter daran halten. Allerdings nicht so, wie es sich der Gesetzgeber vorgestellt hat.

Am Tag bekomme ich unzählige Anrufe auf eine meiner Nummern, welche bis vor ca. 2 Jahren noch im Impressum meiner Seite stand. Seitdem ploppt ständig das kleine Fenster der Fritzbox-Software auf, welches mich darauf hinweist, dass ein neuer Anruf auf eine Nummer eingeht, die auf keines unserer beiden Telefone geschaltet ist. Nachdem ich das öfters (während meiner Anwesenheit vor dem PC) festgestellt habe, schaute ich in die „Anrufe in Abwesenheit“-Liste der Fritzbox.

Meine Anrufe in Abwesenheit. Das internationale Marketing lässt grüßen.

Unschwer zu erkennen: Das Anrufverhalten ist immer gleich. Versucht man jede dieser Nummern zurückzurufen, erhält man folgende Ansage: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“

Wenn man jetzt noch weiter recherchiert, erfährt man, dass hinter diesen unzähligen Telefonnummern aus den verschiedendsten Vorwahlbereichen immer ein und das selbe „Unternehmen“ steckt: Callcenter mit ausländischem Akzent gratulieren zum Gewinn in Höhe X. In einigen Fällen müsse etwas käuflich erworben werden, damit der Betrag ausgezahlt werden kann (in diesen Fällen war sogar die Bankverbindung bekannt). In anderen Fällen fragte man nach der Bankverbindung, damit der Gewinn überwiesen werden kann.

Mit der Änderung des Telekommunikationsgesetzes wollte man diesen unseriösen Callcentern einen Riegel vorschieben. Allerdings hat es nichts weiter gebracht als eine weitere Datenflut für den Verbraucher. Das Sperren einer Leipziger Telefonnummer bringt nichts, wenn morgen ein unerwünschter Anruf aus Berlin und übermorgen aus Dortmund erfolgt. Diese äußerst „seriösen“ Callcenter haben eh jeden Tag eine andere Rufnummer – die Technik machts möglich.

Wer tagtäglich von solchen Anrufen genervt wird, dem empfehle ich nur, schnellstmöglich die Rufnummer zu wechseln und diese nirgendwo (im Internet) anzugeben. Man weiß nie, was mit diesen Daten passiert.

So viele Komplimente auf einmal…

Nach dem „Kloppi-Donnerstag par excellence“ (eine Extrem-Eskalation nach der anderen) hatte ich mich schon auf einen entspannten Arbeits-Freitag eingestellt. Jeder freut sich auf’s Wochenende, Geld gab’s auch – warum sollte da noch jemand anrufen und eskalieren?

So kam es dann auch: Bei Anliegen, wo die Anrufer gestern noch explodiert wären, war heute Friede, Freude Eierkuchen. Einer toller Arbeitstag.

Moment! Da war doch noch…

Genau! Herr S. Man stelle sich einen Herrn (vermutlich aus bayerischen Landerln) vor, der – der Stimme nach zu urteilen – stramm auf die 60 zugeht. Herr S. ist jemand, an den ich auch noch in vielen vielen Jahren zurückdenken werde, denn Herr S. ist ein wahrhafter Charmeur. Jetzt möchte natürlich jeder wissen, wie ich es geschafft habe, gaaaaanz viele Komplimente zu erhaschen. Hier die Geschichte:

Das Telefon klingelte. Wieder einmal störte mich jemand in meiner 5-sekündigen Entspannungsphase. So ging ich also an den Fernsprecher 🙂 Nach dem üblichen „Blabla“ (Mein Name ist…) stellte sich mir Herr S. vor. Freundlich wie er war, verriet er mir auch gleich, wo er wohnt. So konnte ich mir gleich seine Daten aufrufen. Ein sehr vorbildlicher Anrufer.

Er schilderte mir, dass es bereits einen Zweittermin mit der Ablesefirma gab. Nach dem „Warum“ habe ich natürlich nicht gefragt. Nach gefühlten 100 Kommunikationsschulungen in den 6,5 Callcenter-Jahren weiß ich mittlerweile, dass man sowas nicht machen darf. Herr S. berichtete weiter, dass sich die Mitarbeiter der Ablesefirma – seltsamerweise waren sie zu zweit – geweigert hätten, den Spiegel, welcher vor seinen Wasseruhren angebracht war, abzunehmen.

Spannend, nicht wahr? Fand ich bis dahin auch. 🙂

Nachdem Herr S. die Mitarbeiter der Firma darauf aufmerksam machte, dass der Spiegel schon bei seinem Einzug hing und er nicht in der Pflicht wäre, diesen abzumontieren, hätten ihm selbige so gegen das Bein getreten, dass er sich seitdem „nur noch humpelnd durch die eigene Wohnung bewegen“ könne. Ich fragte ihn, ob er denn Anzeige bei der Polizei erstattet hätte. „Ja, natürlich sofort – wegen Körperverletzung!“. Na Gott sei Dank.

Dann schweifte Herr S. vom Thema ab: „Mit dieser Stadt (Berlin) habe ich abgeschlossen! Ich werde hier wegziehen. Überall nur Kriminelle und an jeder Ecke wird man zusammengeschlagen.“
„Ach!“, dachte ich mir, „Wo war ich bloß in den letzten 30 Jahren meines Lebens?“. So ließ ich Herrn S. weitererzählen. „Selbst die von der Hausverwaltung machen nichts! Alles Kommunistenanhänger, Nazis, Verbrecher!“. Das wurde mir dann doch zu viel und ich holte ihn wieder zurück zum Thema.

Nachdem Herr S. mir noch einmal erklärte, dass er nicht in der Pflicht wäre…blablabla (siehe vorletzten Absatz), verwies ich ihn auf die Karte mit dem Ablesetermin, auf welcher sehr wohl steht, dass er für einen ungehinderten Zugang zu den Ablesestellen zu sorgen hat.

Dann ließ Herr S. seinen ganzen Charme spielen: „Hören Sie doch auf zu spinnen! Der Spiegel hing hier vorher schon und nichts habe ich. Sie sind ja genau so’ne Nazisau und so’n Kommunistenschwein wie alle anderen hier…“. Ich wollte ihn in seinem Redefluss nicht unterbrechen. Allerdings wartete schon der nächste Anrufer, weswegen ich ihm noch einen schönen Tag wünschte und auflegte.

Entschuldigt bitte die Wortwahl – aber sowas darf man sich im Callcenter teilweise auch anhören.

Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, war ich sichtlich „gerührt“ von so viel Charme. Nachdem mir eine Kollegin (und sehr gute Freundin) sagte, dass ich ihn deswegen hätte anzeigen können, konnte ich mir gerade so verkneifen ihn nochmal zurück zu rufen um ihn darauf hinzuweisen. Name, Adresse etc. war ja alles vorhanden. Ich habs mir aber geklemmt.

So ein kleines Würstchen ist schon genug mit sich selbst gestraft. Soll er auf seine Alm nach Bayern zurückziehen (wahrscheinlich nur der Liebe wegen hergezogen – wie so oft). Da kann er rumpöbeln, so viel er will. Da hört ihn wenigstens keiner – außer vielleicht die Lila-Milka-Kuh. Allerdings – im Gegensatz zu den Mitarbeitern der Ablesefirma, die unverrichteter Dinge wieder gegangen sind (ganz zum Anfang sagte Herr S. dies auch) – verpasst diese ihm dann womöglich einen richtigen Tritt.

Verdient hätte er’s!

Lohnt sich heutzutage Arbeit noch?

Kürzlich habe ich gelesen, dass ein ALG II-Empfänger ca. 5,- Euro netto/Stunde bekommt, was einem monatlichen Verdienst von 800,- Euro entspricht. Das brachte mich auf die Idee selbst mal zu recherieren und nachzurechnen. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf das Bundesland Berlin sowie auf einen Single-Haushalt. Ein Alleinstehender ohne Kinder hat demnach Anspruch auf den Regelsatz von 382,- Euro, wovon ein Teil der Telefongebühren, die Monatsmarke (hierzu gehe ich gleich noch weiter drauf ein) und Strom sowie Lebensmittel bezahlt werden müssen. Das Jobcenter übernimmt die Miete bis 394,- Euro vollständig. Somit hat der arbeitslose Single schonmal Anspruch auf Leistungen i. H. v. 776,- Euro.

Hinzu kommt in der Hauptstadt das Berlin-Ticket S (im Volksmund auch „Sozialticket“ genannt), wofür der ALG II-Empfänger 41,- Euro weniger berappen muss. Statt 77,- Euro für denjenigen, der auf Grund seines Verdienstes keine Zuschüsse vom Staat erhält, werden hier nur 36,- Euro für die Monatsmarke gefordert. Die Befreiung von der GEZ…sorry…Rundfunkbeitrag (17,98 Euro) gehören genauso dazu wie der Sozialtarif der Telekom (Zuschuss zur Grundgebühr beim kleinstmöglichen Tarif – aktuelle Zahlen liegen mir hierzu leider nicht vor).

Wenn man die „Einmalzahlungen“ für Nachzahlungen bei der Betriebskostenabrechnung, Ersteinrichtung der Wohnung etc. außer Acht lässt kommt man auf einen Anspruch von 834,98 Euro. Das wäre bei einer 40-Stunden-Woche ein Stundenlohn von mindestens 5,22 Euro.

Für die 1,3 Millionen Vollzeitarbeiter, die ihren Lebensunterhalt auf Grund niedriger Löhne nicht decken können, mögen diese Zahlen äußerst frustrierend sein. Bei 29,39 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand: 12/2012) sind dies jedoch nur 4,4% – überwiegend Alleinerziehende. Die Dunkelziffer derjenigen, die Anspruch auf zusätzliche Leistungen vom Staat hätten, ist bestimmt weit höher. Jedoch haben viele genug vom Jobcenter, weswegen sie lieber darauf verzichten, anstatt sich dort nochmal anzustellen.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich auch einige, die 40 Stunden/Woche arbeiten und sich trotzdem nicht viel leisten können. Man könnte jetzt hier auf den Staat schimpfen und nach einem Mindestlohn schreien. Allerdings müsste dieser mindestens 10,- Euro betragen, damit sich Arbeit wirklich lohnt. Nur würde dieser Stundenlohn jede Menge Arbeitsplätze vernichten, da sich viele Unternehmen aus dem dann teuren Deutschland zurückziehen.

Die von der Bundesregierung und der SPD vorgeschlagenden 8,50 Euro sind zu wenig. Die 10,- Euro der LINKEN zuviel. Wo liegt die Grenze für die Arbeitgeber? Ich weiß es nicht – aber vielleicht wisst ihr es?

 

Themenvorschau:

Anstatt Milliarden in Länder zu pumpen, deren Bevölkerung nicht begreift, dass ein Umdenken dringend erforderlich ist, um eine Staatspleite abzuwenden, sollte man mit unserem Steuerplus besser die Schulden abzahlen. Stimmt! Braucht man ja nicht…denn das Geld ist ja bald eh nichts mehr wert.

Über die möglichen Konsequenzen des Wahlausgangs in Italien auf die europäische Gemeinschaft sowie der erteilten Lizenz zum Geld drucken der EZB werde ich demnächst berichten.

„Stößchen“ – BERlin, du bist so sonderbar

„Kommt der Flughafen Tegel an seine Grenzen?“

„Kollision auf dem Flugfeld“

„4 Unfälle auf dem Flugfeld“

Es vergeht keine Woche mehr, an dem solche Meldungen in großen schwarzen Lettern auf den Titelseiten der „seriösen“ Tageszeitungen abgedruckt wird. Was mir dabei aufgefallen ist: Anwohnerbeschwerden des Flughafen Tegel erscheinen nur in kleinen Nebensätzen. Gerade diese Menschen sind die Leidtragenden. Mehr dazu in diesem Blog – beginnen wir mit der ersten Schlagzeile.

Fakt ist: Der Tegeler Flughafen hat die Grenzen der Belastbarkeit überschritten. Ausgelegt ist der Airport für 11,5 Millionen Fluggäste/Jahr. Diese Zahl wurde im Jahr 2012 mit 18,1 Mio Passagieren bei weitem überschritten. Während der Flughafen Schönefeld noch jede Menge Kapazitäten besitzt lassen die Fluggesellschaften immer mehr Flugzeuge über Tegel starten und landen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die Start- und Landegebühren des innerstädtischen Airports sind günstiger, als die des im Bundesland Brandenburg gelegenen Flughafens Schönefeld. Zudem sind die Verkehrsanbindungen bei Weitem besser.

Auch wenn der neue „Hauptstadtflughafen“ noch nicht fertig ist sollte die Bahn darüber nachdenken, ihr Angebot jetzt schon zu verbessern. Außerdem wäre es angebracht, dass die Flughafengesellschaft die Start- und Landegebühren für Tegel anhebt. So könnte ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen beiden Flughäfen hergestellt werden. Ich erinnere mich dunkel, dass so etwas schonmal in Erwägung gezogen wurde. Allerdings hatten die Fluggesellschaften damit gedroht, Berlin nicht mehr anfliegen zu wollen. Möge mir hier mal bitte jemand eine Fluggesellschaft nennen, die eine Hauptstadt aus diesem Grund nicht mehr anfliegt. Angenommen, es käme so: Die Gesellschaften würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden. Niemand möchte in Leipzig vom Flugzeug in Bus oder Bahn umsteigen, nur um nach Berlin zu kommen. Jeder von uns möchte am besten direkt vor die Haustür geflogen werden.

Durch die derzeitige Verlagerung der Flüge von Schönefeld nach Tegel leiden auch die Anwohner im Bezirk Reinickendorf, in dem der Flughafen Tegel liegt, sehr darunter. Ich wohne zwar nicht direkt in der Einflugschneise, dennoch kann ich von meinem Balkon aus gelegentlich 3-4 Flugzeuge hintereinander sehen, die sich im Landeanflug auf Tegel befinden. Die Anwohner des ohnehin schon vorhandenden Flughafen Schönefeld beklagen sich über Flughöhen von 1200-2400 Meter. Und was ist mit den Anwohnern am Kurt-Schumacher-Platz? Dort rauschen die Flugzeuge in einer Flughöhe von 200 Metern über deren Köpfe hinweg. DAS ist Fluglärm. Das, was die Anwohner des jetzigen Flughafen Schönefelds bzw. des zukünftigen Flughafen BER beklagen, haben sie schon seit Jahrzehnten. Seit dem letzten Jahr ist es nur wieder etwas ruhiger geworden.

Ich habe einige Freunde, die in diesem Bereich wohnen. Allerdings habe ich nie verstanden, warum da so ein Aufstand gemacht wurde. Am Fluglärm kanns ja nicht liegen. Sämtliche Häuser in der Umgebung haben ja schallisulierte Fenster bekommen bzw. bekommen sie noch – insgesamt kostet das den Flughafenbetreiber knapp 500 Mio Euro mehr. „Entschädigt“ wurden auch die, wo die Flugzeuge in mehr als 2400 Metern Höhe über deren Köpfe fliegen. Bei mir sind es ca. 1500 Meter Luftlinie – wenn auch nicht senkrecht. Bei dem derzeitigen Zustand sind ca. 1 Mio Menschen betroffen (Pankow, Wedding, Reinickendorf, Spandau). Hinzu kommen noch die südlichen Bezirke, die derzeit vom Schönefelder Flughafen betroffen sind. Nun kann man sich überlegen, was besser ist: 1 Million oder 300.000.

Schmunzeln musste ich, als ich die Titelblätter der Tageszeitungen hinsichtlich der Kollision bzw. den Unfällen auf dem Tegeler Airport gelesen habe. Unter „Kollision“ verstehe ich einen Frontalzusammenstoß. Diesen gab es jedoch nicht. In zwei Fällen wurde ein Flugzeug durch ein anderes mit deren Tragflächen lediglich gestreift. Natürlich stand in der letzten Zeile, dass kein Passagier dabei verletzt wurde. Was hatten die Passagiere für ein Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Wenn’s nach mir ginge, sollte Berlin zwei Flughäfen besitzen: Tegel und Schönefeld. Allerdings sollte die Fluglast gleichmäßiger verteilt sein. Mit zwei Flughäfen wäre Berlin auch zukunftsfähiger, als nur mit einem großen halben, der für 500 Millionen Euro wieder erweitert werden müsste, um überhaupt zukunftsfähig zu sein. Denn die Anwohner, die schon seit Jahren in Reinickendorf/Spandau wohnen, haben sich an den Fluglärm, welcher bis Juni 2012 dort herrschte, gewöhnt. Wenn sich die Schönefelder sowie deren Anrainer an etwas mehr „Fluglärm“ gewöhnen könnten, wäre das eine tolle Sache. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Leider hört man aber nicht auf das kleine Volk und somit wird im Jahr 2375 wohl die Eröffnung des BER groß gefeiert werden. Nur wird es dann nicht mehr der „Hauptstadtflughafen“ sein, denn bis dahin wird wahrscheinlich Chemnitz die neue Hauptstadt sein. Man weiß schließlich nie, was in den nächsten 362 Jahren passiert.