„Stößchen“ – BERlin, du bist so sonderbar

„Kommt der Flughafen Tegel an seine Grenzen?“

„Kollision auf dem Flugfeld“

„4 Unfälle auf dem Flugfeld“

Es vergeht keine Woche mehr, an dem solche Meldungen in großen schwarzen Lettern auf den Titelseiten der „seriösen“ Tageszeitungen abgedruckt wird. Was mir dabei aufgefallen ist: Anwohnerbeschwerden des Flughafen Tegel erscheinen nur in kleinen Nebensätzen. Gerade diese Menschen sind die Leidtragenden. Mehr dazu in diesem Blog – beginnen wir mit der ersten Schlagzeile.

Fakt ist: Der Tegeler Flughafen hat die Grenzen der Belastbarkeit überschritten. Ausgelegt ist der Airport für 11,5 Millionen Fluggäste/Jahr. Diese Zahl wurde im Jahr 2012 mit 18,1 Mio Passagieren bei weitem überschritten. Während der Flughafen Schönefeld noch jede Menge Kapazitäten besitzt lassen die Fluggesellschaften immer mehr Flugzeuge über Tegel starten und landen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die Start- und Landegebühren des innerstädtischen Airports sind günstiger, als die des im Bundesland Brandenburg gelegenen Flughafens Schönefeld. Zudem sind die Verkehrsanbindungen bei Weitem besser.

Auch wenn der neue „Hauptstadtflughafen“ noch nicht fertig ist sollte die Bahn darüber nachdenken, ihr Angebot jetzt schon zu verbessern. Außerdem wäre es angebracht, dass die Flughafengesellschaft die Start- und Landegebühren für Tegel anhebt. So könnte ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen beiden Flughäfen hergestellt werden. Ich erinnere mich dunkel, dass so etwas schonmal in Erwägung gezogen wurde. Allerdings hatten die Fluggesellschaften damit gedroht, Berlin nicht mehr anfliegen zu wollen. Möge mir hier mal bitte jemand eine Fluggesellschaft nennen, die eine Hauptstadt aus diesem Grund nicht mehr anfliegt. Angenommen, es käme so: Die Gesellschaften würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden. Niemand möchte in Leipzig vom Flugzeug in Bus oder Bahn umsteigen, nur um nach Berlin zu kommen. Jeder von uns möchte am besten direkt vor die Haustür geflogen werden.

Durch die derzeitige Verlagerung der Flüge von Schönefeld nach Tegel leiden auch die Anwohner im Bezirk Reinickendorf, in dem der Flughafen Tegel liegt, sehr darunter. Ich wohne zwar nicht direkt in der Einflugschneise, dennoch kann ich von meinem Balkon aus gelegentlich 3-4 Flugzeuge hintereinander sehen, die sich im Landeanflug auf Tegel befinden. Die Anwohner des ohnehin schon vorhandenden Flughafen Schönefeld beklagen sich über Flughöhen von 1200-2400 Meter. Und was ist mit den Anwohnern am Kurt-Schumacher-Platz? Dort rauschen die Flugzeuge in einer Flughöhe von 200 Metern über deren Köpfe hinweg. DAS ist Fluglärm. Das, was die Anwohner des jetzigen Flughafen Schönefelds bzw. des zukünftigen Flughafen BER beklagen, haben sie schon seit Jahrzehnten. Seit dem letzten Jahr ist es nur wieder etwas ruhiger geworden.

Ich habe einige Freunde, die in diesem Bereich wohnen. Allerdings habe ich nie verstanden, warum da so ein Aufstand gemacht wurde. Am Fluglärm kanns ja nicht liegen. Sämtliche Häuser in der Umgebung haben ja schallisulierte Fenster bekommen bzw. bekommen sie noch – insgesamt kostet das den Flughafenbetreiber knapp 500 Mio Euro mehr. „Entschädigt“ wurden auch die, wo die Flugzeuge in mehr als 2400 Metern Höhe über deren Köpfe fliegen. Bei mir sind es ca. 1500 Meter Luftlinie – wenn auch nicht senkrecht. Bei dem derzeitigen Zustand sind ca. 1 Mio Menschen betroffen (Pankow, Wedding, Reinickendorf, Spandau). Hinzu kommen noch die südlichen Bezirke, die derzeit vom Schönefelder Flughafen betroffen sind. Nun kann man sich überlegen, was besser ist: 1 Million oder 300.000.

Schmunzeln musste ich, als ich die Titelblätter der Tageszeitungen hinsichtlich der Kollision bzw. den Unfällen auf dem Tegeler Airport gelesen habe. Unter „Kollision“ verstehe ich einen Frontalzusammenstoß. Diesen gab es jedoch nicht. In zwei Fällen wurde ein Flugzeug durch ein anderes mit deren Tragflächen lediglich gestreift. Natürlich stand in der letzten Zeile, dass kein Passagier dabei verletzt wurde. Was hatten die Passagiere für ein Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Wenn’s nach mir ginge, sollte Berlin zwei Flughäfen besitzen: Tegel und Schönefeld. Allerdings sollte die Fluglast gleichmäßiger verteilt sein. Mit zwei Flughäfen wäre Berlin auch zukunftsfähiger, als nur mit einem großen halben, der für 500 Millionen Euro wieder erweitert werden müsste, um überhaupt zukunftsfähig zu sein. Denn die Anwohner, die schon seit Jahren in Reinickendorf/Spandau wohnen, haben sich an den Fluglärm, welcher bis Juni 2012 dort herrschte, gewöhnt. Wenn sich die Schönefelder sowie deren Anrainer an etwas mehr „Fluglärm“ gewöhnen könnten, wäre das eine tolle Sache. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Leider hört man aber nicht auf das kleine Volk und somit wird im Jahr 2375 wohl die Eröffnung des BER groß gefeiert werden. Nur wird es dann nicht mehr der „Hauptstadtflughafen“ sein, denn bis dahin wird wahrscheinlich Chemnitz die neue Hauptstadt sein. Man weiß schließlich nie, was in den nächsten 362 Jahren passiert.

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