Höhere Ticketpreise…schon wieder???

Heute Morgen schaltete ich das Radio ein und das erste, was ich hörte war, dass man noch in diesem Jahr die Ticketpreise im Berliner Nahverkehr erneut erhöhen will.

So soll der Einzelfahrschein (Tarifbereich AB) statt bisher 2,40 Euro ab Juli 2,60 Euro kosten. Die Tageskarte (Tarifbereich AB) verteuert sich von 6,50 Euro auf 6,70 Euro und Monatskarten-Besitzer müssen ab dem 1. Juli 2013 einen Euro pro Monat mehr zahlen. Im Durchschnitt sollen die Ticketpreise um 2,8 Prozent steigen und somit 0,8 Prozentpunkte über der Inflationsrate von 2012 liegen.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich erst einmal aufzuregen, wenn es an sein „Hab und Gut“ – in diesem Fall Geld – geht. Was ich jedoch nicht verstehen kann ist, dass man auf die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schimpft. Wenn man sich die heutigen Tageszeitungen anguckt bekommt man den Eindruck, dass die BVG an der Erhöhung der Fahrpreise schuld ist und nur Mist baut. So schrieb eine Zeitung heute, dass die BVG mit „ständigen“ Wassereinbrüchen sowie einem maroden Schienennetz zu kämpfen hätte, was permanent zu Verspätungen sowie Zugausfällen führen würde. Mein erster Gedanke war „Dieser Redakteur kommt definitiv nicht aus Berlin!“. Der Gleisbruch erfolgte bei der S-Bahn Berlin GmbH im Nord-Süd-Tunnel. Über ein marodes Schienennetz ist mir nichts bekannt (zumal die Presse nie darüber berichtet hat). Wasserrohre können überall platzen. Das andere Desaster, was in dem Zeitungstext womöglich gemeint ist, hat die BVG genauso wenig zu verantworten: Während der Bauarbeiten am Leipziger Platz (hier wird ein neues Einkaufszentrum errichtet) wurde durch das ausführende Bauunternehmen die Tunneldecke der U-Bahn unzureichend abgedichtet, wodurch es zu einem Wassereinbruch im U-Bahn-Tunnel kam.

Anscheinend ist der Presse die BVG zu wenig skandalträchtig, so dass man nun einen Buh-Mann für die neuerliche Preiserhöhung sucht. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass das Unternehmen nur eines von mehr als 40 Betrieben ist, die dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) angehören. Ein Unternehmen allein kann nicht über eine Fahrpreiserhöhung, die sämtliche Fahrbetriebe betreffen, entscheiden.

Nun stellt man sich aber dennoch die Frage, ob die Fahrpreiserhöhung gerechtfertigt ist. Ich bín für diese Preiserhöhung, wenn die Mehreinnahmen nur den Unternehmen zu Gute kommt, deren Angebot sich in der Vergangenheit deutlich verbessert und wo die Meinung des Kunden auch Gewicht hat (hierzu zählt meiner Meinung nach auch die BVG). Die höheren Treibstoffpreise müssen letztendlich auch kompensiert werden. Allerdings bin ich nicht bereit, mehr an ein Nahverkehrsunternehmen zu zahlen, auf das man sich schon seit mehreren Jahren nicht mehr verlassen kann. Jedes Mal, wenn ich einen S-Bahn-Steig betrete lese ich „Zug fällt aus“.

Die S-Bahn Berlin GmbH ist sichtlich bemüht, den Fahrgästen mehr Komfort (im Dezember wurde der 500. LED-Anzeiger eingeweiht) zu bieten. Im vergangenen Jahr wurde eine Werkstatt in Rummelsburg (?) wiedereröffnet, in der zusätzliche Züge gewartet werden und somit weitere Ausfälle kompensiert werden können. Die Ausbildung weiterer Fahrzeugführer und die Reaktivierung einer alten Fahrzeugflotte scheint leider auch (noch) nicht wirklich zu greifen. Auf den Winter sei man sehr gut vorbereitet, hieß es damals seitens der S-Bahn. Diese Aussage wurde heute vom Fahrgastverband nur müde belächelt. Diese Aussage kann ich nur stützen: Ein seit Jahren andauerndes Trauerspiel setzt sich fort.

Wie dem auch sei:

Der Fahrpreiserhöhung muss nun noch der Berliner Senat zustimmen. Da die BVG zu 100% dem Land Berlin angehört, dort innerhalb des VBB die meisten Fahrgäste befördert werden und die anderen Nahverkehrsunternehmen auch bestimmt nichts gegen Mehreinnahmen haben, wird diese Fahrpreiserhöhung definitiv kommen. Spätestens dann verlange ich aber eine erneute Entschädigungsleistung seitens der S-Bahn.

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