Da steht ein Pferd im Regal…

Mittlerweile wird jeden Tag in den Medien darüber berichtet, dass erneut ein „Pferdefleisch-Skandal“ ans Tageslicht befördert wurde. Leider vergessen die nach Absatz und Einschaltquote schreienden Medien dabei meist die Zahlen auf den Tisch zu legen. Wer den Bericht eines großen Privatsenders gesehen hat wird wissen, wovon ich rede.

Vorausgegangen war unserem hiesigen Pferdefleischskandal die Meldung, dass in Irland als Schweine- und Rindfleischprodukte deklarierte verkauft wurden, die bis zu 30% aus Pferdefleisch bestanden. Natürlich wurde dies dort auf der Verpackung nicht entsprechend ausgewiesen. So machte sich der besagte Privatsender daran hier in Deutschland Fleischprodukte auf deren Qualität hinsichtlich der Reinhaltigkeit (schreibt man das so?) zu überprüfen. Herausgekommen ist folgendes:

In einem Produkt eines Supermarktes wurden „Spuren“ von Pferdefleisch (in Zahlen: 0,1%, entspricht bei 1 kg Hackfleisch 1 Gramm Pferdefleisch) nachgewiesen. Auch bei dem Brandenburger Betrieb, der in den letzten Tagen öfters in der Presse aufgetaucht ist, wurden keine größeren „Verunreinigungen“, als die oben genannten, festgestellt.

Wie man sieht, sprechen wir hier um Dinge, die sich im Promille-Bereich bewegen. Von „Betrug am Verbraucher“ kann hier in Deutschland – meiner Meinung nach – überhaupt keine Rede sein. Sollen die Personen, die dies behaupten, mal ohne Waage abschätzen, was 1 Gramm Fleisch bei einer Menge von einem Kilogramm sind. Womöglich würden alle Teilnehmer bei diesem Experiment durchfallen.

Hätten wir Zustände wie in Irland, dann könnte ich diese Hysterie durchaus nachvollziehen. Nur dazu wird es nicht kommen, da die Gesetze hier viel zu streng sind. Stattdessen machen sich jetzt sämtliche Supermärkte daran, die Lebensmittel umzudeklarieren bzw. zu vernichten (Pferdefleisch in diesen Massen ist ja auch sooo schädlich!).

Auf der einen Seite startet man teure Kampagnen, die zu einem sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln aufruft und auf der anderen Seite macht man sich ins Höschen, sobald 0,1% der verkauften Ware nicht das beinhaltet, was man eigentlich gekauft hat. Wer sagt mir denn, dass die gekaufte Flasche Wein tatsächlich 10,5 Volumenprozent an Alkohol hat und nicht 12 oder 13?

Meiner Meinung nach stimmt dort irgendetwas nicht: Kaum wird durch ein Privatsender darüber berichtet, schon springen alle auf den anfahrenden Zug auf. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wer durch den „Skandal“ verdient. Ist es der Privatsender? Ist es die Politik oder gar die Nahrungsmittelindustrie? Das wird sich erst noch rausstellen. In vier Wochen wird man nichts mehr darüber lesen. Wetten?

Freuen wir uns nun also erstmal auf steigende Preise, durch die die Einnahmeverluste der Betriebe wieder wettgemacht werden sollen.

Und freuen wir uns auf die Werbung im Fernsehen, die für das Deutsche Reinheitsgebot beim Döner wirbt (im Jahr 2313 wird man in dieser lesen/hören: „Und das schon seit 300 Jahren“).

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