„Wir legen so lange die Arbeit nieder, bis die Streikkasse leer ist“…

…könnte man dem Vorsitzenden der GDL sowie deren Mitglieder angesichts der heutigen Streikankündigung in den Mund legen – und es würde passen.

In den vergangenen Wochen wurde die Deutsche Bahn schon mehrfach bestreikt, wie der eine oder andere schon am eigenen Leib spüren konnte. Man könnte sich fragen „Was soll das Ganze?“, wenn man sich die Historie von Anfang bis Ende betrachtet. Letztendlich wollen sowohl Arbeitgeberseite, als auch die GDL (und übrigens auch die EVG) eines: Einen einheitlichen Tarifvertrag für die jeweiligen Beschäftigungsgruppen, von denen es etliche bei der DB gibt. Die GDL will jedoch mehr!

Kommen wir mal zu den Fakten:

– die von der GDL abgeschlossenen Tarifverträge gelten für alle Lokführer, welche sowohl in der GDL als auch in einer anderen Gewerkschaft bzw. keiner Gewerkschaft sind
– die von der EVG angeschlossenen Tarifverträge gelten für alle anderen Berufsgruppen innerhalb des DB-Konzerns
– der von der GDL geforderten Tariferhöhung von 5% wurde seitens der DB im Gegenvorschlag entsprochen (zzgl. einer Einmalzahlung)

Was im Papier der DB jedoch nicht enthalten war ist, dass dies auch für die Mitglieder anderer Berufsgruppen (also Nicht-Lokführer), welche GDL-Mitglieder sind, gelten sollte.

Zum Verständnis, wenn dem die Deutsche Bahn zugestimmt hätte, hätten wir nun folgendes Szenario: Frau A., als Zugbegleiterin tätig im RE 1, Mitglied bei der GDL, würde zu wesentlich anderen Konditionen arbeiten als Frau B., Mitglied bei der EVG und ebenfalls als Zugbegleiterin auf der selben Strecke tätig. Selbe Tätigkeit – unterschiedliche Verträge. Was jedoch mit den Nicht-Gewerkschaftlern passiert, bleibt offen (Frage: Mitgliederfang?).

Nun frage ich mich:

Die GDL spricht immer von einer gerechten Tarifvertragsgestaltung für alle Berufsgruppen innerhalb der Deutschen Bahn. Wie soll das aber funktionieren, wenn man nicht bereit ist sich mit der EVG zusammen zu setzen, um einen einheitlichen Tarifvertrag auszuarbeiten? Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer wich dieser Frage bei einer Talkshow des Öfteren aus und gab auch abschließend keine vernünftige Antwort.

Hinzu kommt die Aussage, dass man ja nicht Rücksicht auf Ferien oder Feiertage nehmen könne, weil es ja sonst nie zum Streik käme. Als dies geäußert wurde, begannen/endeten in neun Bundesländern die Herbstferien und es kam an just diesem Wochenende zum Streik. Selbiges gilt auch für den 25. Jahrestag des Mauerfalls, wo wieder sehr viele Menschen unterwegs sind, um diesen Tag im gesamten Bundesgebiet zu feiern.

Auch wenn es seitens der GDL immer wieder verneint wird, dass es um Machtgehabe geht, wird mittlerweile auch der letzte Bundesbürger verstanden haben, dass die finanzielle Seite und die Belange aller Beschäftigten hier völlig in den Hintergrund gerät. Selbst die Politiker (das hat schon was zu heißen!) sowie Vertreter anderer Gewerkschaften finden dieses Vorgehen unmöglich.

Bis das auch die „hellen“ Köpfe bei der GDL begriffen haben, sind eher die Streikkassen leer. Solange sind die Leidtragenden diejenigen, die auf S-Bahn, Regional- und Fernverkehr angewiesen sind. Sollte dieses Vorgehen nicht sofort aufhören, sorgt die Politik in Form von Gesetzesänderungen dafür (Stimmen wurden ja schon laut). Damit würde eine einzige Gewerkschaft dafür sorgen, dass die Rechte aller anderen Gewerkschaften beschnitten werden. Aber auch das werden diese Leute nie begreifen…

Wäre ich Mitglied der GDL – allerspätestens jetzt würde ich austreten!

All denjenigen, die auf die DB angewiesen sind, wünsche ich, dass sie in den kommenden Tagen gut zu ihrem Zielort (und natürlich auch wieder zurück nach Hause) kommen. Allen anderen: Gute Nerven im Straßenverkehr.

Ein Gedanke zu „„Wir legen so lange die Arbeit nieder, bis die Streikkasse leer ist“…

  1. Nun, daß Gewerkschaften im Sinne ihrer Mitglieder und damit der Beschäftigten handeln ist ja schon seit Jahrzehnten vorbei. Es geht um Macht die zu demonstrieren über kurz oder lang Arbeitsplätze kosten wird oder bereits kostet.
    Selbstverständlich ist das Streikrecht ein Grundrecht und das muß auch so bleiben. Nur müssen Streiks auch von den Unternehmen finanziert werden und genau das hat man auf Gewerkschaftsebene schon lange vergessen. Oder haben Gewerkschaften jemals Ausfälle für Auftragsverluste, Konventionalstrafen für verspätete Fertigungen oder ähnliches gezahlt? Man denke doch einmal an die Streiks bei der Lufthansa in der letzten Zeit, es war wohl gerade der neunte !! wenn ich richtig gezählt habe. Wer schreit denn als erste wenn dann wieder eine Entlassungswelle kommt?
    Lohn- und Gehaltserhöhungen wollen natürlich alle, das ist auch in Ordnung. Wen kümmert es schon daß diese Kosten an anderer Stelle eingespart werden müssen. Z.B. durch weniger Mitarbeiter.
    Weniger ist mehr…. oder auch: weniger Lohnerhöhung dafür sichere Arbeitsplätze für mehr Mitarbeiter.
    Leider lesen das hier keine verantwortlichen Gewerkschafter und daher wird sich auch nichts ändern. Gehirn ist Mangelware und logisches denken vollkommen außer Mode.

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