Grün, grüner, Berlin???

In Berlin durfte man heute über zwei Dinge abstimmen: Zum Einen über die Randbebauung des Tempelhofer Feldes (Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof) und natürlich gab es noch einen Wahlzettel für das Europäische Parlament.

Widmen wir uns aber nun, zu Zeiten des in Berlin immer knapper werdenen Wohnraums, dem ersten Thema:

Das Abstimmungsergebnis (es soll keine Randbebauung des Tempelhofer Feldes stattfinden) überrascht mich doch sehr! Jeder beklagt sich über steigende Mieten. Bei einem Wohnungsleerstand von 2,3% bei den 143 Berliner Mitgliedsunternehmen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (kurz BBU) wundert es mich nicht, dass die Mieten immer mehr in die Höhe schnellen.

Jeder, der einmal Wirtschaftslehre hatte, wird wissen, dass bei einem geringen Angebot der Preis steigt. So nun auch in Berlin.

Bezahlbare Miete?

Mittlerweile ist es für jemanden, der einen monatlichen Verdienst von 1100,- bis 1300,- Euro netto vorweisen kann, schon schwierig, eine vernünftige Wohnung zu finden, ohne in einem „Ghetto“ zu landen. Da zählt es nicht mehr, ob man eine Vollzeitstelle mit Unbefristung (und womöglich noch bei einem Landesunternehmen angestellt ist) hat. Es zählt das, was auf dem Lohnzettel steht.

Bebauungsflächen?

Ein Großteil der Berliner ist dafür, neuen Wohnraum zu schaffen, damit die Mieten bezahlbar bleiben. Allerdings sollte dies nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft geschehen. Dennoch werden nach und nach Baulücken (überwiegend entstanden durch Abriss von Ruinen oder Garagenstellplätze) geschlossen. Allerdings sind solche „Lückenfüller“ auf den Quadratmeter umgerechnet kostenintensiver, für die kommunalen Wohnungsunternehmen unattraktiv und damit für Otto-Normalverdiener nicht bezahlbar. Stattdessen entstehen dort Luxus-Eigentumswohnungen. Sowas beobachte ich hier nur noch in meiner Gegend. Und viele leere Flächen hat Berlin nicht mehr.

„Erholungsflächen“ erhalten?

Ich persönlich bin schon dafür, dass Erholungsflächen erhalten werden sollten. Berlin ist eine der grünsten Städte Europas (wenn nicht, sogar die grünste Stadt). Der Flughafen Tempelhof war 85 Jahre lang ein Abreise- und Ankunftsort für viele Millionen Menschen. Nicht zu vergessen sei die legendäre Luftbrücke nach dem Mauerbau.

Wie das nachfolgende Bild zeigt, sah der Entwurf des Berliner Senats vor, einen Großteil des Geländes als Erholungsort für alle Berliner und deren Gäste einschließlich der Landebahnen als Denkmal zu erhalten. Nun muss das gesamte (Flughafen-)Gelände (als Grünfläche) entsprechend umgestaltet und über Jahre hinweg für viel Geld gepflegt werden.

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(Quelle: Berliner Senat)

Fazit: Schade, dass es mit der Randbebauung des Tempelhofer Feldes, welche zum Großteil durch die städtischen Wohnungsunternehmen stattgefunden hätte und die Mieten damit einigermaßen bezahlbar gewesen wären, nicht klappen wird. Ein überwiegender Teil der Fläche wäre trotz Bebauung Grünanlage geblieben.

Nun bin ich auf die Abstimmungsergebnisse aus den einzelnen Bezirken gespannt. Die Besserverdiener werden auch entsprechend abgestimmt haben.

Und ich bin mir sicher, dass die selben Leute, die diese Abstimmung initiiert haben, im nächsten Jahr wegen der steigenden Mieten auf die Straße gehen werden. Warten wir es ab. Es bleibt spannend…

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