Gruseliges aus dem Callcenter

Als Außenstehender könnte man meinen, dass Callcenter gleich Callcenter ist. Dem ist aber nicht so. Als Mitarbeiter im Service-Center der Telekom erlebt man ganz andere Geschichten als wenn man beispielsweise für Sky arbeitet. Allerdings hat man es hier nur mit Tarifberatung, Rechnungsklärung und Sperren zu tun (sofern man nicht im technischen Support sitzt).

Ganz anders ist es hingegen, wenn man für eine Hausverwaltung arbeitet. Hier ist man mitten im wirklichen Leben. Wenn ich an die Anrufe der Mieter bzw. Berichte durch meine Kollegen zurückdenke, wird mir immer noch ganz anders.

Beim ersten Anruf dieser Art (hoffentlich bleibt das vorerst auch mein letzter), schrie mich die Mieterin an und fragte, wann denn endlich die Reinigungsfirma in ihre Wohnung kommt. Meine ersten Gedankengänge waren „Was soll das denn??? Tickt die noch ganz richtig?!“. Noch bevor ich sie nach ihrer Anschrift fragen konnte, um nach dem Auftrag zu sehen, erzählte sie mir, dass sich jemand in ihrer Wohnung umgebracht hat. Alles sei blutverschmiert und sie würde es nicht länger in dieser Wohnung aushalten, um auf die Firma zu warten. Nachdem ich mich durch sämtliche Stellen telefoniert hatte (vom Hausmeister über die Polizei bis hin zur Reinigungsfirma), überließ ich dann meinem Kollegen den Rückruf. Letztendlich habe ich dafür über eine Stunde gebraucht und war zum Schluss auch mit den Nerven am Ende.

Nachdem mich dieses Thema noch tagelang beschäftigte (man macht sich ja doch so seine Gedanken nach solch einem Vorkommnis) beschloss ich, im Internet nach Pressemeldungen der Polizei zu suchen und wurde fündig. Demnach handelte es sich um einen Bekannten der Anruferin, welcher sich versucht hat, das Leben zu nehmen.

Übrigens: Die Reinigungsfirma konnte die Wohnung deshalb nicht säubern, weil diese noch durch die Polizei gesperrt war. Versucht das mal jemandem klar zu machen, der noch unter Schock steht.

Ein anderer Fall lässt mich nun bei seltsamen Geräuschen aufhorchen: So meldete sich bei einer Kollegin ein Mieter, der einen Einbruchsversuch melden wollte. Seine Frau hatte gerade das Haus verlassen, um Brötchen zu holen. Der Mann machte sich daran, den Frühstückstisch zu decken und hörte merkwürdige Geräusche an der Wohnungstür. Er dachte, dass dies seine Frau wäre, die etwas vergessen hat und das Schlüsselloch nicht findet. Als ihm das nach 1-2 Minuten komisch vorkam schaute er durch den Spion und sah, wie sich jemand am Schloss zu schaffen machte. Nachdem der Mieter auf sich aufmerksam machte, rannte der Täter die Treppen runter. Fassen wird man ihn wahrscheinlich nie.

Das erinnert mich an einen Vorfall in meiner Kindheit: Während unser damaliger Nachbar im Wohnzimmer saß und Ferseh guckte, stieg jemand durch das Speisekammer-Fenster (ca. 30-40 cm breit) ein, trat in den Käsekuchen und bediente sich am Schmuck unserer Nachbarin. Die Wohnung wurde durch die Wohnungstür wieder verlassen. Irgendwann erhielt unser Nachbar die Meldung, dass nicht weiter nach dem Täter gefahndet wird, denn das einzige, was man hätte, wäre ein Fußabdruck. Das ist jetzt ca. 20 Jahre her.

Im Gegensatz zu dem, was mich und meine Kollegen tagtäglich erreicht (Sonntagmorgen, 6.30 Uhr: „Muss ich jetzt hier selbst Schnee schieben oder wann kommt mal jemand vorbei!?!?“ – nach Erklärung = Eskalation; „Wieso sind die Mülltonnen noch nicht geleert?!?!? Sonst waren die ja auch schon um 9 Uhr da!!!“ – nach Erklärung = Eskalation), ist das schon harter Tobak. Ich hoffe, dass dies wirklich nur Einzelfälle bleiben und sich in Zukunft nicht häuft.

P.S.: Im erst genannten Fall habe ich bewusst auf weitere Details verzichtet, um so einen möglichen Wiedererkennungswert zu vermeiden.

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