Pro Schneeflocke = eine Beschwerde…oder wie war das doch gleich?

Sobald die erste Flocke vom Himmel fällt kann man auch davon ausgehen, dass auch schon der erste Mieter in der Leitung hängt, um sich über die nicht weggefegte Schneeflocke zu beschweren. So auch mehrfach am vergangenen Wochenende geschehen.

Die Fahrpläne der BVG sehen ja Sonntagmorgen etwas anders aus als für den Rest der Woche, weswegen ich von meinem üblichen Arbeitsweg etwas abweichen und durch den Stadtteil fahren musste, in dem (arbeitsbedingt) „meine“ Wohnungsbaugesellschaft die meisten Wohneinheiten besitzt (schätzungsweise 20.000). Wie es der Zufall so wollte fing es Samstag Abend in Berlin ordentlich an zu schneien – und es wollte bis Sonntag Mittag auch nicht aufhören. So hielt ich mit meinen müden Augen Ausschau nach den Winterdiensten in dieser Gegend. Schließlich macht man sich ja doch auf dem Weg zur Arbeit Gedanken über das, was einen erwarten könnte.

Kurz vor 8 Uhr auf Arbeit angekommen informierte ich die Kolleginnen sofort darüber, dass im oben erwähnten Stadtteil der Winterdienst unterwegs ist und die Hauptgehwege auch einmal geräumt wurden, allerdings wieder alles zugeschneit ist. Daraufhin erzählte eine Kollegin von ihrem ersten Anruf, wo die Mieterin fragte, ob sie denn selbst den Schnee räumen soll – dieser Anruf erfolgte am Sonntag Morgen kurz nach 6 Uhr, während es noch kräftig schneite.

Ich lag mit meinen Gedanken also gar nicht so falsch: Massenhaft Beschwerden wegen nicht geräumter Gehwege.

So meldeten sich noch zahlreiche Mieter, die sich mit dem Hinweis auf das Berliner Straßenreinigungsgesetz nicht zufrieden geben wollten.

Die letzte Beschwerde ging aus einem Randgebiet von Berlin ein, wo ich darauf hinwies, dass selbst in den starkfrequentierten Gebieten der Stadt der Schnee noch nicht geräumt sei, weil die Winterdienste (egal ob privat oder die städtischen Räumdienste) einfach bei dem Schneefall nicht hinterherkommen. Auch hier wurde wieder auf die Gesetzeslage verwiesen. Als Reaktion erhielt ich nur noch ein „Sie wollen es nicht weitergeben?! Dann werde ich mich über Sie und über die Winterdienstfirma beschweren!“. Mein Gedanke war „Soll sie doch…das Gesetz sieht es etwas anders als sie“. Die Dame mag kaum älter als ich gewesen sein.

Vielleicht sollte ich meine Vermieterin auch mal mit solch belanglosem Zeug nerven. Klar: Ich musste mich Sonntag früh auch erstmal vortasten um zu gucken, wo der Gehweg endet und die Straße anfängt. Ich kann auch die Beschwerden der Mitmenschen nachvollziehen, die auf Gehhilfen angewiesen sind und sich damit im Schnee nicht so fortbewegen können, wie es ohne Schnee der Fall wäre. Allerdings sollte man auch mal den Kopf einschalten und darüber nachdenken, weswegen die Wege nicht überall bei starkem Schneefall gleichzeitig geräumt sein können.

Die Hausverwaltungen versuchen die Kosten für die Mieter so gering wie möglich zu halten. Die Winterdienstfirmen geben auch ihr bestes, denn sie wollen die großen Aufträge auch nicht verlieren. Wenn man die Berliner Gesetzgebung übererfüllen will – hier müsste hinter jeder Ecke ein Schneeräumfahrzeug stehen, müsste man als Mieter allerdings ordentlich draufzahlen. Aber auch hier würde es wieder ordentlich Kritik hageln.

Anstatt sich bei seiner Hausverwaltung zu beschweren sollte man dies beim Senat machen. Allerdings muss man dann auch wieder höhere Mieten wegen geänderter Gesetze in Kauf nehmen. Wer Komfort haben möchte sollte auch dafür zahlen.

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