„Ich weiß ja, Sie können nichts dafür, aaaaber…“

Meinereiner ist ja in der glücklichen Lage, auch am Wochenende arbeiten zu dürfen. Samstag und Sonntag sind die beiden Tage, an denen man sich zwischen den Anrufen auch mal mit den lieben Kollegen über die Anrufer unterhalten kann. Es ist erstaunlich, was dort alles zu Tage kommt. Aber lest selbst…

Frau S. meldete sich heute bei mir und fragte mit sehr kräftiger Stimme nach der Telefonnummer des Hausmeisters…sie könne seit Tagen nicht mehr ruhig schlafen. Ich erklärte ihr, dass ihr Hausmeister am Wochenende nicht erreichbar sei, sie ihn aber am Montag wieder sprechen könne. Noch bevor ich Frau S. nach dem Grund ihres Anrufes fragen konnte schallte mir ein „Geben Sie mir die Nummer vom Hausmeister!!!“ entgegen. Der kleine böse Mann auf meiner rechten Schulter flüsterte mir ins Ohr, dass man auf dieses Gebrüll ganz gelassen und entspannt reagieren sollte und so sagte ich mit ruhiger Stimme „Sie brauchen mich nicht anschreien, ich verstehe Sie auch so ganz gut.“ Der kleine „Schultermann“ wollte sie wahrscheinlich so zur Weißglut bringen. Sein Vorschlag war hervorragend, denn ich hörte nur noch ein durch leichtes Knacken in der Telefonleitung durchsetztes „ICH SCHREIE NICHT!!!“.

Ich sagte meinen Kolleginnen, dass die Dame wahrscheinlich gleich wieder anrufen wird – obwohl ich die Mieterin darauf hinwies, dass am Wochenende nur der Notdienst erreichbar ist. Ein paar Minuten später kam sie dann auch bei meiner Kollegin raus (Glaskugel sei Dank). Was mich jedoch verwunderte war, dass es aus dem Haus kurz nach dem Wutanfall von Frau S. keine Beschwerden wegen massiver Lärmbelästigung gab.

Ein anderer Fall: „Guten Tag, mein Name ist A., bin ich da bei Unternehmen XY?“ Natürlich war sie das, schließlich habe ich vor der Nennung meines Namens den des Unternehmens genannt. „Ja, Sie sind hier im Notdienst des Unternehmens XY.“. Frau A.: „Ah, das ist gut. Eigentlich ist es ja auch so eine Art Notfall! …“ – man kann sich vorstellen, wo meine Gedanken wieder kreisten (tropfende Wasserhähne, kalte Heizkörper in der Küche etc.). Doch es kam anders: „… Wir suchen eine Wohnung.“ NEIN! Bitte nicht auch das noch! Ich hatte ja mit vielem gerechnet…aber damit? Ich bat Frau A. sich am nächsten Werktag ab 9 Uhr nochmal zu melden.

Kinder..hmm…Kinder…was war doch gleich nochmal mit den Kindern. Ach ja! Dass die ständig vorgeschoben werden wegen irgendwelcher Nichtigkeiten wisst ihr ja schon. Auch was Notfälle sind, haben wir in den vergangenen Wochen gelernt. Allerdings nicht Frau B. (nein, nicht die Chefin!), die in den letzten Wochen gekonnt meine Blogeinträge ignoriert hat (wird Zeit, dass dieser weiter verbreitet werden):

„Unser Wasserhahn tropft so stark, dass wir das Wasser über den Absperrhahn ganz abdrehen mussten.“ – Na? Wer hat aufgepasst? Notfall oder kein Notfall? 🙂
„Wo befindet sich denn der Wasserhahn? Badewanne, Küchenspüle oder Handwaschbecken?“
„Handwaschbecken! Aber jetzt am Wochenende wird das bestimmt nichts mehr, oder?“. Hat sie meinen Blog doch gelesen? Verwirrung machte sich breit.
„Richtig. Ich mach einen Auftrag fertig für die Firma. Diese wird sich dann nächste Woche bei Ihnen melden.“ Die folgenden Worte von Frau B. verwirrten mich umso mehr:
„Wie? Heute kommt niemand mehr? Ich habe drei Kinder zu Hause blablabla…“.

Und da waren sie schon wieder…es gibt Vorwände, die man irgendwann nicht mehr hören kann…und dazu gehören definitiv die Kinder dazu – unabhängig davon, dass Kinder, die sich im Alter derer von Frau B. befinden, ohnehin nie die Hände nach jedem Toilettengang waschen. Nachdem ich dann auch mit meinem Standardspruch (…es besteht keine Gefahr für Leib und Leben.“) kam war nur noch ein „so ein Saftladen“ zu hören. Frau B. wird sich noch umgucken, wenn sie in 10 Jahren erstmal blättern muss, welche Firma zu beauftragen ist. Viele Leute wissen einfach nicht, wie gut sie es haben.

Um euch nicht zu überfordern, soll es das erstmal gewesen sein. Es wird fleißig weiter gesammelt und veröffentlicht 🙂

Eine Bitte habe ich noch: Tut euren Ansprechpartnern in der Hotline den Gefallen und fangt die Sätze nicht mit „Ich weiß ja, Sie können nichts dafür, aaaaaber…“ an. Auch sollte man sich erst recht nicht nach diesem Satzanfang auskotzen, wie scheiße doch alles ist und man schon x-mal angerufen hat. Das interessiert euren Gesprächspartner nicht. Ihm geht es nur um Fakten, Fakten, Fakten… In einem kleinen Nebensatz darf gern die Anzahl der bisherigen Anrufe erwähnt werden…aber bitte bitte nicht 10 Minuten darauf rumreiten. Die Service-Mitarbeiter werden es euch danken und euer Anliegen schnellstmöglich an die entsprechende Abteilung weiterleiten 🙂

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