Lohnt sich heutzutage Arbeit noch?

Kürzlich habe ich gelesen, dass ein ALG II-Empfänger ca. 5,- Euro netto/Stunde bekommt, was einem monatlichen Verdienst von 800,- Euro entspricht. Das brachte mich auf die Idee selbst mal zu recherieren und nachzurechnen. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf das Bundesland Berlin sowie auf einen Single-Haushalt. Ein Alleinstehender ohne Kinder hat demnach Anspruch auf den Regelsatz von 382,- Euro, wovon ein Teil der Telefongebühren, die Monatsmarke (hierzu gehe ich gleich noch weiter drauf ein) und Strom sowie Lebensmittel bezahlt werden müssen. Das Jobcenter übernimmt die Miete bis 394,- Euro vollständig. Somit hat der arbeitslose Single schonmal Anspruch auf Leistungen i. H. v. 776,- Euro.

Hinzu kommt in der Hauptstadt das Berlin-Ticket S (im Volksmund auch „Sozialticket“ genannt), wofür der ALG II-Empfänger 41,- Euro weniger berappen muss. Statt 77,- Euro für denjenigen, der auf Grund seines Verdienstes keine Zuschüsse vom Staat erhält, werden hier nur 36,- Euro für die Monatsmarke gefordert. Die Befreiung von der GEZ…sorry…Rundfunkbeitrag (17,98 Euro) gehören genauso dazu wie der Sozialtarif der Telekom (Zuschuss zur Grundgebühr beim kleinstmöglichen Tarif – aktuelle Zahlen liegen mir hierzu leider nicht vor).

Wenn man die „Einmalzahlungen“ für Nachzahlungen bei der Betriebskostenabrechnung, Ersteinrichtung der Wohnung etc. außer Acht lässt kommt man auf einen Anspruch von 834,98 Euro. Das wäre bei einer 40-Stunden-Woche ein Stundenlohn von mindestens 5,22 Euro.

Für die 1,3 Millionen Vollzeitarbeiter, die ihren Lebensunterhalt auf Grund niedriger Löhne nicht decken können, mögen diese Zahlen äußerst frustrierend sein. Bei 29,39 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand: 12/2012) sind dies jedoch nur 4,4% – überwiegend Alleinerziehende. Die Dunkelziffer derjenigen, die Anspruch auf zusätzliche Leistungen vom Staat hätten, ist bestimmt weit höher. Jedoch haben viele genug vom Jobcenter, weswegen sie lieber darauf verzichten, anstatt sich dort nochmal anzustellen.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich auch einige, die 40 Stunden/Woche arbeiten und sich trotzdem nicht viel leisten können. Man könnte jetzt hier auf den Staat schimpfen und nach einem Mindestlohn schreien. Allerdings müsste dieser mindestens 10,- Euro betragen, damit sich Arbeit wirklich lohnt. Nur würde dieser Stundenlohn jede Menge Arbeitsplätze vernichten, da sich viele Unternehmen aus dem dann teuren Deutschland zurückziehen.

Die von der Bundesregierung und der SPD vorgeschlagenden 8,50 Euro sind zu wenig. Die 10,- Euro der LINKEN zuviel. Wo liegt die Grenze für die Arbeitgeber? Ich weiß es nicht – aber vielleicht wisst ihr es?

 

Themenvorschau:

Anstatt Milliarden in Länder zu pumpen, deren Bevölkerung nicht begreift, dass ein Umdenken dringend erforderlich ist, um eine Staatspleite abzuwenden, sollte man mit unserem Steuerplus besser die Schulden abzahlen. Stimmt! Braucht man ja nicht…denn das Geld ist ja bald eh nichts mehr wert.

Über die möglichen Konsequenzen des Wahlausgangs in Italien auf die europäische Gemeinschaft sowie der erteilten Lizenz zum Geld drucken der EZB werde ich demnächst berichten.

2 Gedanken zu „Lohnt sich heutzutage Arbeit noch?

  1. Hallo Steven,

    Ich lese jetzt immer wieder deinen Blog, kann nur sagen, dass du sehr Interessante Tehmen aufgreifts, Vorallem für mich der ich ja nun auf Grund der Entfernung zu Berlin. nicht die Aktuellen Tageszeitungen bekommen kann. Danke Dir dafür.

    • Vielen lieben Dank für das Lob. Meist versuche ich aktuelle Themen aufzugreifen, was mir jedoch nicht immer gelingt. Gerade bei so komplexen Themen wie diesen muss man sehr viel recherchieren und pro Werktag (Montag bis Freitag) wird es auch nur ein Thema geben.

      MIr ist es wichtig Themen aufzugreifen, die viele Menschen bewegt (auch wenn es nur ein paar lustige Anekdoten aus meiner Arbeitswelt sind).

      Die Tageszeitung werde ich jedoch nicht ersetzen können 😉

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