Volle Kraft voraus?

Mit dem heutigen Tag begann die Heizsaison 2014/2015, was bedeutet, dass spätestens jetzt bei sämtlichen Hausverwaltungen die Heizungsanlagen wieder laufen sollten. Der Gesetzgeber nimmt hierbei keine Rücksicht auf die jeweiligen Witterungsverhältnisse. Ab dem 1. Oktober eines jeden Jahres muss geheizt werden können, was einige Mieter wieder dazu veranlasst, endlose Diskussionen führen zu müssen.

Um es vorweg zu nehmen: Ich finde diese Diskussionen, welche jedes Jahr aufs Neue geführt werden, einfach nur lästig. Hierbei muss erwähnt werden, dass betroffene Mieter genau wussten worauf sie sich einlassen, wenn sie in energetisch sanierte Gebäude ziehen. Auch über die „Einschnitte“ hinsichtlich der Raumtemperaturen wurde mehrfach informiert.

Mieter: „Wir haben heute den 1. Oktober und da muss lt. Gesetzgeber geheizt werden. Wieso sind meine Heizkörper immer noch kalt?“

Ich: „Wieviel Grad haben sie denn aktuell in ihren Räumen?“

Mieter: „21,5 Grad“

Ich: „Die Heizkörper werden erst warm, wenn die Zimmertemperatur unter 21 Grad sinkt. Das ist völlig normal, dass diese jetzt noch kalt sind.“

Mieter: „Aber ich hab ein krankes kleines Kind. Wenn es sich nachts umdreht und dann nicht mehr zugedeckt ist, muss es doch wenigstens warm im Zimmer sein. Immerhin kann es das doch nicht allein steuern, ob es sich wieder zudeckt.“ (Mein Gedanke: Selbst wenn es 30 Grad im Zimmer wären würde sich das Kind nicht mehr zudecken wollen.)

Mieter weiter: „Sie – also nicht Sie in Person, sondern die Wohnungsbaugesellschaft – wollen mir also vorschreiben, wie warm ich es in meiner Wohnung haben darf? Der Gesetzgeber schreibt schießlich vor, dass ich ab dem 1. Oktober so viel heizen darf wie ich möchte.“

Ich: „Während der Heizsaison darf die Temperatur eine gewisse Gradzahl nicht unterschreiten. Der Vermieter muss während der Heizsaison allgemein sicherstellen, dass in den Wohnräumen eine Temperatur von mindestens 20 Grad gewährleistet ist. Wir gehen hier noch einen Schritt weiter und sehen die ‚Wohlfühl-Temperatur‘ bei 21 Grad. Dennoch leite ich Ihr Anliegen gern weiter. Allerdings glaube ich nicht, und da bin ich ehrlich, dass sich anhand Ihrer Beschwerde etwas ändern wird, zumal in den zigtausend sanierten Wohnungen Ihrer Wohnungsbaugesellschaft so gehandhabt wird.“

Mieter: „Vielen Dank“

Den Wortlaut des Gesprächs musste ich etwas abändern, da ich ungern für bzw. gegen meine Geldgeber „Propaganda“ betreiben möchte (der Name der jeweiligen Hausverwaltung fiel während des Gesprächs nämlich sehr oft).

Unabhängig davon scheinen viele Leute momentan sehr frei zu drehen. Ob das wohl vom Wetter abhängt? Macht euch selbst ein Bild:

Mieter ruft an, weil er von der Ablesefirma in der Anrede mit „Frau“ angesprochen wurde anstatt mit „Herr“. Er vermutete hierbei, dass es zu Verwechslungen bei der Ablesung gekommen sein könnte. Während des Gesprächs erklärte er, dass seine Frau in einem anderen Stadtteil wohnt und er nicht ihre Heizkosten zahlen möchte. Ihm wurde erklärt, dass sich die Ablesefirma an dem Familiennamen sowie an der Anschrift orientiert und die falsche Anrede nur ein kleiner Fehler im System der Ablesefirma ist, welcher sich mit wenigen Mausklicks beheben lässt.

Ich: „Sie brauchen sich da also keine Gedanken machen, dass es diesbezüglich zu irgendwelchen Verwechslungen kommt.“

Mieter: „Sie wollen mir also unterstellen, dass ich mir das nur einbilde?“

Ich: „Das habe ich nicht gesagt.“

Mieter: „Warum sagen Sie dann sowas? Mir hat mal jemand gesagt, dass, sobald mir jemand sowas sagt, mir damit unterstellt wird, ich würde mir das nur einbilden. Das Redewendung ‚Machen Sie sich keine Gedanken‘ wäre eine indirekte Beleidigung.“

Ich: „Herr XYZ, ich weiß zwar nicht, woher Sie das haben. Allerdings habe ich schon etliche Kommunikationsschulungen durch um zu wissen, dass das Wort ‚Gedanken‘ bzw. der Wortlaut ‚Gedanken machen‘ nichts Schlechtes ist. Den Wortlaut können Sie auch ersetzen durch ‚Sie brauchen sich da auch keine Sorgen machen‘. Können Sie ‚Sorgen‘ mit ‚Einbildung‘ ersetzen?“

Mieter: „Nein.“

Ich: „Sehen Sie…“

Mieter: „Dann brauch ich jetzt nicht mehr bei Frau … (Anmerkung: von der Hausverwaltung) anrufen?“

Ich: „Nein. Rufen Sie lieber bei der Ablesefirma an, dass diese die zwei Mausklicks bzgl. der Anrede tätigt. Von uns werden Sie ja auch richtig angeschrieben, oder?“

Mieter: „Ja.“

Das Gespräch zog sich übrigens über fast 10 Minuten…dies war nur ein Auszug.

Zum Schluss noch die Krönung: Mieter ruft an und möchte den Hausmeister sprechen…

Mieter: „Bin ich jetzt im Stützpunkt?“

Ich: „Nein, Sie sind in der Zentrale.“

Mieter: „Aber ich wollte doch den Stützpunkt haben. Geben Sie mir doch mal Herrn … (den Hausmeister).“

Ich: „Den kann ich Ihnen leider nicht geben. Sie sind hier in der Zentrale. Wenn Sie Ihren Hausmeister angerufen haben und bei uns raus kommen, wird er wahrscheinlich gerade nicht erreichbar sein.“

Mieter: „Sie sitzen doch aber im Stützpunkt!?“

Ich: „Nein, ich sitze immer noch in der Telefonzentrale. Wie ich Ihnen schon sagte…“

Mieter: „Aber ich habe doch gerade den Stützpunkt angerufen!“

Ich dem Anrufer nochmal alles erklärt…

Mieter: „Sie brauchen mich nicht anlügen. Geben Sie mir jetzt Herrn…!“

Ich: „Ich lüge Sie nicht an. Ich weiß sehr wohl, dass ich nicht in der Berliner Straße (fiktiv) sitze. Wie ich schon sagte: Sie sind hier in der Telefonzentrale.“

Mieter: „Dann eben nicht! Verarschen können Sie jemand anderen!“ (Anrufer legte auf)

Ich liebe meinen Beruf und mach ihn sehr gern. Aber solche unnützen Diskussionen, die einem jede Menge Nerven rauben, braucht wirklich kein Mensch.

In diesem Sinne…euch ein schönes, verlängertes Wochenende 🙂