Nachts sind alle Katzen…verrückt?

Meine ersten Nachtschichten liegen hinter mir. Die vergangene hat jedoch alles bisher dagewesene bei Weitem übertroffen:

Wasserlos…

Erst gab’s ne hysterische Mieterin, vor der man mich allerdings schon gewarnt hat:

„Jetzt muss ich sterben, weil ich nichts essen und trinken kann!!!“
„Nur weil das Wasser mal 6 Stunden auf Grund einer Havarie im Haus abgestellt ist, werden Sie nicht gleich sterben. Der menschliche Körper kommt durchaus 6 Stunden und länger ohne Wasser aus.“.

Dann kamen die Stromlosen…

Stromlos, die 1.:

Mieterin A, 21.40 Uhr:
„Ich hab in meiner Wohnung keinen Strom, bei den anderen Nachbarn funktioniert er aber.“
„Haben Sie denn schonmal die Hauptsicherung im Keller überprüft?“
„Wie soll ich die denn überprüfen?“
„Indem Sie die vorhandene Sicherung im Keller durch eine neue Sicherung ersetzen.“
„Aber ich bin doch kein Fachmann. Ich weiß ja nicht mal, wo man sone Schraubsicherung herbekommt.“
„Wenn Sie sich beeilen, schaffen Sie es eventuell noch in den Fachmarkt, bevor dieser schließt. Oder Sie fragen einfach mal bei den Nachbarn, ob diese Ihnen bis morgen eine Sicherung leihen können.“
Und dann ging die übliche Leier wieder los:
„Ich zahle hier Miete und Sie haben dafür zu sorgen, dass ich Strom habe!“
„Frau A., Sicherungen, welche zum Stromkreis der Wohnung gehören, sind grundsätzlich Mietersache und gehören nicht in den Zuständigkeitsbereich der Hausverwaltung. Die Hausverwaltung wird nur dann tätig, wenn auszuschließen ist, dass alle Sicherungen und die angeschlossenen Endgeräte in Ordnung sind und der Fehler bei der Elektroinstallation der Wohnung wie z. B. Kurzschluss durch Kabelbrand etc. zu suchen ist.“

Frau A. verabschiedete sich mit den Worten „Gut, dann werde ich mal gucken, was ich da jetzt machen kann.“

Lebensgefährte von Mieterin A., 21.50 Uhr:
„Meine Freundin hat gerade angerufen und Ihnen mitgeteilt, dass wir keinen Strom haben.“
„Berliner Straße 1 (fiktiv), Frau A.?“
„Ja, genau. Und was gedenken Sie jetzt zu tun?“
Natürlich erklärt man dem Freund alles gern noch einmal, was man ihr vorher schon erzählt hat.
„Verstehe ich es richtig, dass Sie jetzt deswegen jetzt nicht rausfahren wollen?“
„Herr …, ich fahre nirgendwo hin. Wenn, dann beauftragen wir in Notfällen sofort eine Firma. Wie ich Ihnen aber schon erklärte, sind Sicherungen Mietersache.“
„Sie können und wollen uns also nicht helfen. Sehe ich das richtig?!“
„Herr …, ich wiederhole mich nur ungern. Ich kann Ihnen aber gern eine Elektrofirma vorbeischicken, um eine Schraubsicherung zu wechseln. Die Kosten müssten Sie dann allerdings tragen.“
„Und was kostet das?“
„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Der Hausverwaltung liegen die Preislisten für private Notdiensteinsätze der jeweiligen Firmen nicht vor.“
„Wieso können Sie mir nicht sagen, was so ein Einsatz eines Elektrikers kostet?!“
„Weil uns diese Informationen nicht vorliegen, zumal… (der „freundliche“ Herr fiel mir ins Wort)“
„Sie wollen nicht! Sie wissen nichts! Schönen Abend noch!“

Tja…so wurde man mal eben als faul und dumm abgestempelt. Hat doch was…

Stromlos, die 2.:

Mieterin B, 21.55 Uhr:
„Ich wohne Berliner Straße 1 (immer noch fiktiv) und habe auf einmal in der ganzen Wohnung keinen Strom mehr.“
„Die Beleuchtung im Treppenhaus funktioniert noch?“
„Ja, und die Nachbarn nebenan haben auch Strom.“ (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.)
„Frau B., ich finde es schon etwas seltsam. Vor ein paar Minuten rief mich eine Nachbarin von Ihnen an und schilderte mir genau das selbe Problem. Allerdings hatte sie keine Ersatzsicherung für den Hauptsicherungskasten.“
„Ich war auch schon unten im Keller, aber so eine große Sicherung habe ich leider nicht. Da lag aber eine ausgeschraubte Sicherung auf dem Sicherungskasten. Und bei mir ist keine mehr drin.“

Habe mich dann erstmal rückversichert, ob ich den Namen der jeweiligen Mieterin, welche das selbe Problem hatte, rausgeben darf.

„Frau B., vielleicht sollten Sie mal bei Frau A. klingeln und dort nachfragen. Es würde mich wundern, wenn auf einmal alle Hauptsicherungen bei Ihnen im Haus auslösen.“

Wie ich dann einige Momente später mitbekommen habe, ging Frau B. tatsächlich zur Nachbarin. Der Lebensgefährte von Frau A. rief nämlich wieder an und machte mich zur Sau, wie ich denn dazu käme der Mieterin zu erzählen, man hätte ihr die Sicherung geklaut. Er wäre extra zu seinem Schwager gefahren, um solch eine Sicherung zu besorgen (innerhalb von ein paar Minuten???). Habe ihm dann auch erklärt, dass ich es sehr merkwürdig finde, dass kurz nach dem Telefonat eine Nachbarin bei ihrer Hausverwaltung anruft und genau das selbe schildert, wie seine Freundin eingehens. Er faselte irgendwas von „Verleumdung“ etc. Irgendwann habe ich aufgelegt mit den Worten „Ich habe es zur Kenntnis genommen und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend. Auf Wiederhören!“. Ich sage nur „Getroffene Hunde bellen“ – offensichtlicher als das, was da abgelaufen ist, geht es ja nun nicht mehr.

Die „Doofe“ war dann natürlich Mieterin B, die nun die ganze Nacht keinen Strom hatte, was mir persönlich sehr leid tat.

Wie ich im Nachhinein erfahren habe, gehört Sicherungsklau in einigen Gegenden zum Alltag. Traurig…ganz traurig!

Die Krönung…

Morgens, gegen 3.40 Uhr:

„Ich wollte mal wissen, ob Sie Informationen zu dem Flugzeug haben, was verschwunden ist.“
„…“ (da fehlten mir anfangs echt die Worte) „…äh…Sie sind hier bei xxx, einer Hausverwaltung.“
„Darum ruf‘ ich Sie ja an. Haben Sie Informationen?“
„Nein, Informationen dazu habe ich nicht, zumal eine Hausverwaltung sicherlich nicht der richtige Ansprechpartner dafür ist.“
„Aber Sie gucken doch Nachrichten, oder?“
„Ja, aber bestimmt nicht auf Arbeit. Ich kann Ihnen da wirklich nicht weiterhelfen.“
Der Anrufer verabschiedete sich im Anschluss freundlich.

Hä? Was war das denn?

Ich habe ja, über einen normalen Arbeitstag, schon vieles erlebt. Aber so gebündelt…einfach nur ohne Worte.

Nun geht’s für mich ins Bett. Die nächste Nachtschicht wartet schon 🙂