Lohnt sich heutzutage Arbeit noch?

Kürzlich habe ich gelesen, dass ein ALG II-Empfänger ca. 5,- Euro netto/Stunde bekommt, was einem monatlichen Verdienst von 800,- Euro entspricht. Das brachte mich auf die Idee selbst mal zu recherieren und nachzurechnen. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf das Bundesland Berlin sowie auf einen Single-Haushalt. Ein Alleinstehender ohne Kinder hat demnach Anspruch auf den Regelsatz von 382,- Euro, wovon ein Teil der Telefongebühren, die Monatsmarke (hierzu gehe ich gleich noch weiter drauf ein) und Strom sowie Lebensmittel bezahlt werden müssen. Das Jobcenter übernimmt die Miete bis 394,- Euro vollständig. Somit hat der arbeitslose Single schonmal Anspruch auf Leistungen i. H. v. 776,- Euro.

Hinzu kommt in der Hauptstadt das Berlin-Ticket S (im Volksmund auch „Sozialticket“ genannt), wofür der ALG II-Empfänger 41,- Euro weniger berappen muss. Statt 77,- Euro für denjenigen, der auf Grund seines Verdienstes keine Zuschüsse vom Staat erhält, werden hier nur 36,- Euro für die Monatsmarke gefordert. Die Befreiung von der GEZ…sorry…Rundfunkbeitrag (17,98 Euro) gehören genauso dazu wie der Sozialtarif der Telekom (Zuschuss zur Grundgebühr beim kleinstmöglichen Tarif – aktuelle Zahlen liegen mir hierzu leider nicht vor).

Wenn man die „Einmalzahlungen“ für Nachzahlungen bei der Betriebskostenabrechnung, Ersteinrichtung der Wohnung etc. außer Acht lässt kommt man auf einen Anspruch von 834,98 Euro. Das wäre bei einer 40-Stunden-Woche ein Stundenlohn von mindestens 5,22 Euro.

Für die 1,3 Millionen Vollzeitarbeiter, die ihren Lebensunterhalt auf Grund niedriger Löhne nicht decken können, mögen diese Zahlen äußerst frustrierend sein. Bei 29,39 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand: 12/2012) sind dies jedoch nur 4,4% – überwiegend Alleinerziehende. Die Dunkelziffer derjenigen, die Anspruch auf zusätzliche Leistungen vom Staat hätten, ist bestimmt weit höher. Jedoch haben viele genug vom Jobcenter, weswegen sie lieber darauf verzichten, anstatt sich dort nochmal anzustellen.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis habe ich auch einige, die 40 Stunden/Woche arbeiten und sich trotzdem nicht viel leisten können. Man könnte jetzt hier auf den Staat schimpfen und nach einem Mindestlohn schreien. Allerdings müsste dieser mindestens 10,- Euro betragen, damit sich Arbeit wirklich lohnt. Nur würde dieser Stundenlohn jede Menge Arbeitsplätze vernichten, da sich viele Unternehmen aus dem dann teuren Deutschland zurückziehen.

Die von der Bundesregierung und der SPD vorgeschlagenden 8,50 Euro sind zu wenig. Die 10,- Euro der LINKEN zuviel. Wo liegt die Grenze für die Arbeitgeber? Ich weiß es nicht – aber vielleicht wisst ihr es?

 

Themenvorschau:

Anstatt Milliarden in Länder zu pumpen, deren Bevölkerung nicht begreift, dass ein Umdenken dringend erforderlich ist, um eine Staatspleite abzuwenden, sollte man mit unserem Steuerplus besser die Schulden abzahlen. Stimmt! Braucht man ja nicht…denn das Geld ist ja bald eh nichts mehr wert.

Über die möglichen Konsequenzen des Wahlausgangs in Italien auf die europäische Gemeinschaft sowie der erteilten Lizenz zum Geld drucken der EZB werde ich demnächst berichten.

„Stößchen“ – BERlin, du bist so sonderbar

„Kommt der Flughafen Tegel an seine Grenzen?“

„Kollision auf dem Flugfeld“

„4 Unfälle auf dem Flugfeld“

Es vergeht keine Woche mehr, an dem solche Meldungen in großen schwarzen Lettern auf den Titelseiten der „seriösen“ Tageszeitungen abgedruckt wird. Was mir dabei aufgefallen ist: Anwohnerbeschwerden des Flughafen Tegel erscheinen nur in kleinen Nebensätzen. Gerade diese Menschen sind die Leidtragenden. Mehr dazu in diesem Blog – beginnen wir mit der ersten Schlagzeile.

Fakt ist: Der Tegeler Flughafen hat die Grenzen der Belastbarkeit überschritten. Ausgelegt ist der Airport für 11,5 Millionen Fluggäste/Jahr. Diese Zahl wurde im Jahr 2012 mit 18,1 Mio Passagieren bei weitem überschritten. Während der Flughafen Schönefeld noch jede Menge Kapazitäten besitzt lassen die Fluggesellschaften immer mehr Flugzeuge über Tegel starten und landen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die Start- und Landegebühren des innerstädtischen Airports sind günstiger, als die des im Bundesland Brandenburg gelegenen Flughafens Schönefeld. Zudem sind die Verkehrsanbindungen bei Weitem besser.

Auch wenn der neue „Hauptstadtflughafen“ noch nicht fertig ist sollte die Bahn darüber nachdenken, ihr Angebot jetzt schon zu verbessern. Außerdem wäre es angebracht, dass die Flughafengesellschaft die Start- und Landegebühren für Tegel anhebt. So könnte ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen beiden Flughäfen hergestellt werden. Ich erinnere mich dunkel, dass so etwas schonmal in Erwägung gezogen wurde. Allerdings hatten die Fluggesellschaften damit gedroht, Berlin nicht mehr anfliegen zu wollen. Möge mir hier mal bitte jemand eine Fluggesellschaft nennen, die eine Hauptstadt aus diesem Grund nicht mehr anfliegt. Angenommen, es käme so: Die Gesellschaften würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden. Niemand möchte in Leipzig vom Flugzeug in Bus oder Bahn umsteigen, nur um nach Berlin zu kommen. Jeder von uns möchte am besten direkt vor die Haustür geflogen werden.

Durch die derzeitige Verlagerung der Flüge von Schönefeld nach Tegel leiden auch die Anwohner im Bezirk Reinickendorf, in dem der Flughafen Tegel liegt, sehr darunter. Ich wohne zwar nicht direkt in der Einflugschneise, dennoch kann ich von meinem Balkon aus gelegentlich 3-4 Flugzeuge hintereinander sehen, die sich im Landeanflug auf Tegel befinden. Die Anwohner des ohnehin schon vorhandenden Flughafen Schönefeld beklagen sich über Flughöhen von 1200-2400 Meter. Und was ist mit den Anwohnern am Kurt-Schumacher-Platz? Dort rauschen die Flugzeuge in einer Flughöhe von 200 Metern über deren Köpfe hinweg. DAS ist Fluglärm. Das, was die Anwohner des jetzigen Flughafen Schönefelds bzw. des zukünftigen Flughafen BER beklagen, haben sie schon seit Jahrzehnten. Seit dem letzten Jahr ist es nur wieder etwas ruhiger geworden.

Ich habe einige Freunde, die in diesem Bereich wohnen. Allerdings habe ich nie verstanden, warum da so ein Aufstand gemacht wurde. Am Fluglärm kanns ja nicht liegen. Sämtliche Häuser in der Umgebung haben ja schallisulierte Fenster bekommen bzw. bekommen sie noch – insgesamt kostet das den Flughafenbetreiber knapp 500 Mio Euro mehr. „Entschädigt“ wurden auch die, wo die Flugzeuge in mehr als 2400 Metern Höhe über deren Köpfe fliegen. Bei mir sind es ca. 1500 Meter Luftlinie – wenn auch nicht senkrecht. Bei dem derzeitigen Zustand sind ca. 1 Mio Menschen betroffen (Pankow, Wedding, Reinickendorf, Spandau). Hinzu kommen noch die südlichen Bezirke, die derzeit vom Schönefelder Flughafen betroffen sind. Nun kann man sich überlegen, was besser ist: 1 Million oder 300.000.

Schmunzeln musste ich, als ich die Titelblätter der Tageszeitungen hinsichtlich der Kollision bzw. den Unfällen auf dem Tegeler Airport gelesen habe. Unter „Kollision“ verstehe ich einen Frontalzusammenstoß. Diesen gab es jedoch nicht. In zwei Fällen wurde ein Flugzeug durch ein anderes mit deren Tragflächen lediglich gestreift. Natürlich stand in der letzten Zeile, dass kein Passagier dabei verletzt wurde. Was hatten die Passagiere für ein Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Wenn’s nach mir ginge, sollte Berlin zwei Flughäfen besitzen: Tegel und Schönefeld. Allerdings sollte die Fluglast gleichmäßiger verteilt sein. Mit zwei Flughäfen wäre Berlin auch zukunftsfähiger, als nur mit einem großen halben, der für 500 Millionen Euro wieder erweitert werden müsste, um überhaupt zukunftsfähig zu sein. Denn die Anwohner, die schon seit Jahren in Reinickendorf/Spandau wohnen, haben sich an den Fluglärm, welcher bis Juni 2012 dort herrschte, gewöhnt. Wenn sich die Schönefelder sowie deren Anrainer an etwas mehr „Fluglärm“ gewöhnen könnten, wäre das eine tolle Sache. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Leider hört man aber nicht auf das kleine Volk und somit wird im Jahr 2375 wohl die Eröffnung des BER groß gefeiert werden. Nur wird es dann nicht mehr der „Hauptstadtflughafen“ sein, denn bis dahin wird wahrscheinlich Chemnitz die neue Hauptstadt sein. Man weiß schließlich nie, was in den nächsten 362 Jahren passiert.

Ein tropfender Wasserhahn – Ich muss sterben!

Es ist schon erstaunlich, was für einen Einfallsreichtum die Anrufer entwickeln, nur damit deren Anliegen im Notdienst sofort erledigt wird.

Für diejenigen, die nicht für eine Hausverwaltung arbeiten: Notfälle sind Vorkommen, bei denen Gefahr für Leib und Leben besteht bzw. das Leben in einem unerträglichen Maße einschränken. Hierzu zählen beispielsweise Wasserrohrbrüche, Brände, Stromausfälle oder eine Verstopfung des WCs.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass man sich in der Gemeinschaft Gedanken über mögliche Begründungen macht, die für einen sofortigen Einsatz sprechen. Meistens werden die kleinen Kinder vorgeschoben. So meldete eine Mieterin kürzlich, dass der Heizkörper in der Küche nicht funktioniert. Ihr Kleinkind würde frieren und der Heizkörper müsse sofort repariert (in diesem Fall lag es am Thermostatventil) werden. Das arme Kind muss sich ständig in der Küche aufhalten. Die Mieterin wohnt ja auch nur in einer 3-Zimmer-Wohnung.

In einem anderen Fall erhielt ich einen Anruf von einer Mieterin, die den Aushang bzgl. der Wasserabsperrung nicht gelesen hat. Es könne nicht sein, dass unangekündigt das Wasser abgesperrt wird. Schließlich bräuchte ihr Meerschweinchen ganz dringend was zu trinken. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass mich dieser Anruf persönlich sehr getroffen hat – zumal ich auch drei Meerschweinchen habe. Ich habe ihr versucht klar zu machen, dass Meerschweinchen ihre Flüssigkeit überwiegend aus frischem Gemüse beziehen und diese Tierchen durchaus 8 Stunden mal ohne frisches Wasser auskommen können. Nach diesen wohl gemeinten Worten legte sie, natürlich völlig erbost, auf. Nebenbei sei erwähnt, dass diese Mieterin auch noch Kinder hat – da war in diesem Moment das Meerschweinchen aber wichtiger.

Die Küche ist ein Ort, an dem sehr viele „Notfälle“ auftreten können. Neben dem oben genannten Heizungsausfall gibt es…oh ja…den undichten Traps der Küchenspüle:

„Jedes Mal, wenn ich die Küchenspüle nutze, läuft das Wasser unten raus. Und es wird immer mehr!“, klagte die Dame woraufhin ich ihr empfahl, die Küchenspüle nicht zu nutzen.
„Ich muss doch aber abwaschen und kochen!“
„Haben Sie ein Handwaschbecken im Badezimmer? Dann nutzen Sie dieses doch erst einmal über das Wochenende zum Wasser entnehmen.“
„Nein, das ist ja eklig! Es muss heute unbedingt noch jemand vorbeikommen – sonst kann ich nicht kochen!“

Ich wiederholte noch einmal, was ihr bereits meine Kollegin über Notfälle erzählte und dass der Auftrag bereits an die Firma raus ist, die sich Anfang der Woche melden würde. Somit war das Thema für beide Seiten erledigt.

„Mein Herd geht nicht mehr. Vor zwei Wochen war schonmal ein Elektriker da und hat die eine Herdplatte in Ordnung gebracht und nun geht wieder nichts.“

Sämtliche Alarmglocken schrillten. Auf meinem visuellen Display erschien das Wort „Notfall“ in blinkender Schrift. Leider wurde ich wachgerüttelt und erkannte, dass es keiner war. Nachdem ich der Dame – ja, wieder eine Dame…die Männer pöbelten immer fleißig im Hintergrund – erklärte, dass dies kein Notfall wäre kam der Spruch, auf den ich schon soooo lange gewartet habe:

„Für MICH ist das aber ein Notfall! Ich habe kleine Kinder (ah…da waren sie wieder) und ich muss kochen.“.

Nach einer erneuten Erklärung meinerseits (defekter Herd = kein Notfall) wurde sie „aggressiver“: „Das ist ja toll! Dann muss meine Familie also verhungern?!?!“. Sie wusste anscheinend, was mit „Notfall“ gemeint ist…Gefahr für Leib und Leben. Mit den Worten „Es ist noch niemand verhungert, nur weil ein Herd mal einen Tag nicht funktioniert“ konnte ich sie jedoch wieder beruhigen. Am nächsten Werktag fährt der Monteur vorbei und wird alles wieder in Ordnung bringen.

Wer es noch nicht wusste: Durchlaufende Toilettenspülungen (es sammelt sich kein Wasser im Spülkasten, um ausreichend spülen zu können…das Wasser läuft permanent) sind lebensgefährlich. Erst recht dann, wenn der Mieter weder Eimer, noch Topf oder Schüssel im Haus hat, um nachzuspülen. Nach einem Eskalationsgespräch, das seinesgleichen sucht (wenn der Hausmeisternotdienst nicht eine neue Toilettenspülung mitbringt, wird er ihn so lange einsperren, bis die Firma vorbeikommt und das in Ordnung bringt), habe ich einen Auftrag angelegt, welcher von der Firma am nächsten Werktag storniert wurde. Begründung „Mieter hat den Mangel selbst repariert“. Aha!

Das Bad ist wirklich gruselig…sooo viele Abflüsse – Badewanne/Dusche, Handwaschbecken, Toilette. Und jeder davon kann verstopfen. Leider war beim folgenden Anruf auch das verstopfte Handwaschbecken kein Notfall. Selbst das unschlagbare Argument, man könne sich ja die Zähne nicht über der Badewanne putzen, „überzeugte“* uns nicht. Somit musste er sich bis zum Tagesdienst gedulden.

Kommen wir nun noch zu den Klassikern:

Kennt ihr auch den Schimmel, der sich über Nacht an Wänden und Decken ausbreitet und von hier auf jetzt etliche Quadratmeter groß ist? Nein? Bisher kannte ich ihn auch noch nicht – aber es soll ihn geben. Und er muss natürlich SOFORT beseitigt werden!
Oder: Die Erkältungskrankheiten, die auf Grund einer seit 4 Stunden nicht funktionierenden Heizung vorkommen? Vor allem Kinder sollen da sehr anfällig sein. In diesem Fall lag tatsächlich ein Notfall vor, weil das ganze Haus davon betroffen war – die Firma war auch schon informiert. Allerdings waren die Kinder des Anrufers beim letzten Gespräch auf einmal alle krank.

Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt (zum Beispiel) den tropfenden Wasserhahn der Hausverwaltung als „Rohrbruch“ zu melden dem sei gesagt: Zu Unrecht gemeldete Notfälle können dem Mieter in Rechnung gestellt werden – was unter Umständen sehr teuer werden kann. Jede ausführende Notdienstfirma gibt der Hausverwaltung eine Rückmeldung über die ausgeführten Tätigkeiten. Sollte die Hausverwaltung feststellen, dass der Rohrbruch doch nur ein tropfender Wasserhahn gewesen ist, können aus 0 Euro (zu den regulären Geschäftszeiten) mal ganz schnell 100,- Euro und mehr werden.

Die oben genannten Fälle kamen allesamt im Notdienst vor und sind in der Tat keine Notfälle (bis auf letzterer). Hier geht es vielmehr um die Dinge, wo einige der Mieter der Meinung sind, DAS müsse doch jetzt bei der Hausverwaltung als Notfall gelten, wenn ich mit entsprechenden Argumenten komme.

Bevor jetzt jemand denkt, ich würde die Anliegen der Mieter nicht ernst nehmen: Die Beweggründe für diesen Blogeintrag war jedoch der Einfallsreichtum, damit der „tropfende Wasserhahn“ auch im Notdienst repariert wird. Und andere Mieter ächzen unter den steigenden Mieten, die durch aus den oben genannten Zusatzkosten (das fließt ja alles in die Nebenkosten mit ein…mehr oder weniger) kein bisschen gebremst werden können.

In den kommenden Tagen wird es noch einen Bericht zu einem ähnlichen Thema, wie dem oben genannten, geben. Allerdings in genau umgekehrter Reihenfolge und nicht aus meinem Berufsalltag: Größere Mängel werden im Tagesgeschäft nicht behoben. Betroffen sind davon eher ältere Leute. Traurig aber wahr. Lasst euch überraschen.

* Wir haben unsere Vorgaben…deshalb in Anführungsstrichen

Höhere Ticketpreise…schon wieder???

Heute Morgen schaltete ich das Radio ein und das erste, was ich hörte war, dass man noch in diesem Jahr die Ticketpreise im Berliner Nahverkehr erneut erhöhen will.

So soll der Einzelfahrschein (Tarifbereich AB) statt bisher 2,40 Euro ab Juli 2,60 Euro kosten. Die Tageskarte (Tarifbereich AB) verteuert sich von 6,50 Euro auf 6,70 Euro und Monatskarten-Besitzer müssen ab dem 1. Juli 2013 einen Euro pro Monat mehr zahlen. Im Durchschnitt sollen die Ticketpreise um 2,8 Prozent steigen und somit 0,8 Prozentpunkte über der Inflationsrate von 2012 liegen.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich erst einmal aufzuregen, wenn es an sein „Hab und Gut“ – in diesem Fall Geld – geht. Was ich jedoch nicht verstehen kann ist, dass man auf die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schimpft. Wenn man sich die heutigen Tageszeitungen anguckt bekommt man den Eindruck, dass die BVG an der Erhöhung der Fahrpreise schuld ist und nur Mist baut. So schrieb eine Zeitung heute, dass die BVG mit „ständigen“ Wassereinbrüchen sowie einem maroden Schienennetz zu kämpfen hätte, was permanent zu Verspätungen sowie Zugausfällen führen würde. Mein erster Gedanke war „Dieser Redakteur kommt definitiv nicht aus Berlin!“. Der Gleisbruch erfolgte bei der S-Bahn Berlin GmbH im Nord-Süd-Tunnel. Über ein marodes Schienennetz ist mir nichts bekannt (zumal die Presse nie darüber berichtet hat). Wasserrohre können überall platzen. Das andere Desaster, was in dem Zeitungstext womöglich gemeint ist, hat die BVG genauso wenig zu verantworten: Während der Bauarbeiten am Leipziger Platz (hier wird ein neues Einkaufszentrum errichtet) wurde durch das ausführende Bauunternehmen die Tunneldecke der U-Bahn unzureichend abgedichtet, wodurch es zu einem Wassereinbruch im U-Bahn-Tunnel kam.

Anscheinend ist der Presse die BVG zu wenig skandalträchtig, so dass man nun einen Buh-Mann für die neuerliche Preiserhöhung sucht. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass das Unternehmen nur eines von mehr als 40 Betrieben ist, die dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) angehören. Ein Unternehmen allein kann nicht über eine Fahrpreiserhöhung, die sämtliche Fahrbetriebe betreffen, entscheiden.

Nun stellt man sich aber dennoch die Frage, ob die Fahrpreiserhöhung gerechtfertigt ist. Ich bín für diese Preiserhöhung, wenn die Mehreinnahmen nur den Unternehmen zu Gute kommt, deren Angebot sich in der Vergangenheit deutlich verbessert und wo die Meinung des Kunden auch Gewicht hat (hierzu zählt meiner Meinung nach auch die BVG). Die höheren Treibstoffpreise müssen letztendlich auch kompensiert werden. Allerdings bin ich nicht bereit, mehr an ein Nahverkehrsunternehmen zu zahlen, auf das man sich schon seit mehreren Jahren nicht mehr verlassen kann. Jedes Mal, wenn ich einen S-Bahn-Steig betrete lese ich „Zug fällt aus“.

Die S-Bahn Berlin GmbH ist sichtlich bemüht, den Fahrgästen mehr Komfort (im Dezember wurde der 500. LED-Anzeiger eingeweiht) zu bieten. Im vergangenen Jahr wurde eine Werkstatt in Rummelsburg (?) wiedereröffnet, in der zusätzliche Züge gewartet werden und somit weitere Ausfälle kompensiert werden können. Die Ausbildung weiterer Fahrzeugführer und die Reaktivierung einer alten Fahrzeugflotte scheint leider auch (noch) nicht wirklich zu greifen. Auf den Winter sei man sehr gut vorbereitet, hieß es damals seitens der S-Bahn. Diese Aussage wurde heute vom Fahrgastverband nur müde belächelt. Diese Aussage kann ich nur stützen: Ein seit Jahren andauerndes Trauerspiel setzt sich fort.

Wie dem auch sei:

Der Fahrpreiserhöhung muss nun noch der Berliner Senat zustimmen. Da die BVG zu 100% dem Land Berlin angehört, dort innerhalb des VBB die meisten Fahrgäste befördert werden und die anderen Nahverkehrsunternehmen auch bestimmt nichts gegen Mehreinnahmen haben, wird diese Fahrpreiserhöhung definitiv kommen. Spätestens dann verlange ich aber eine erneute Entschädigungsleistung seitens der S-Bahn.

Die Last des Arbeitsalltags

Wie unschwer am Titel des Blogs zu erkennen, arbeite ich in einer Art Callcenter. Auf Grund der Anzahl an Personen (wenn ich mich nicht irre sind wir insgesamt 30 an der Zahl) und der Anordnung der Arbeitsplätze (maximal 3 Arbeitsplätze nebeneinander – also nix mit „Massentierhaltung“) kann man hier nicht wirklich von einem Callcenter sprechen. Vielmehr ist es ein Service-Center (so kommuniziert es auch immer meine Chefin…und das ist auch gut so!).

Allerdings ist es den Anrufern egal, ob sie in einem Service-Center oder in einer Fabrikhalle, in der 10-20 Mitarbeiter nebeneinander sitzen (oben besagte „Massentierhaltung“), rauskommen. Ausgekotzt wird sich immer.

In den vergangenen 6,5 Jahren meiner „Callcenter-Karriere“ habe ich schon für PayTV-, Strom-, Telekommunikations- und Kabelanbieter telefoniert. Die Palette runden nun Entsorgungsunternehmen und Wohnungsbaugesellschaften ab. Und dies alles im Inbound – sprich, man wird von den Kunden angerufen, wenn sie ein Problem/Anliegen haben. Dieses Angebot boten mir insgesamt drei Arbeitgeber – bei einem war ich 5 Jahre angestellt und habe von mir aus auf Grund eines besseren, stressfreieren Jobangebotes aufgehört. Man hätte mich gern dort behalten. Nicht dass hier jemand denkt, ich wäre ein unausstehlicher Mitarbeiter (das Internet vergisst schließlich nie). Zurück zum Thema:

In den vergangenen Jahren verging kein Tag, an dem ich nicht hörte „Ich weiß, Sie können ja dafür nichts, aaaaber…“ und dann gings los. Jeden Tag auf’s Neue, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und jedes Mal denke ich mir auf’s Neue: „Natürlich kann ich dafür nichts und ich werde, auch wenn du es mir erzählst, an der Unternehmensstruktur nichts ändern können.“ Es soll sogar Kunden geben, die glauben, dass wenn ich es als kleiner Service-Center-Mitarbeiter zum 1000sten Mal weiterleite, sich etwas ändert.

Deshalb sei allen Kunden/Mietern sämtlicher Gesellschaften dieses Planeten an dieser Stelle gesagt: Wir nehmen nur auf und leiten weiter. Bewegen können wir Telefonisten nichts!

Am Besten sind die Kunden, die sich nachts um halb 3 am Wochenende über die angebliche Inkompetenz der Service-Center-Mitarbeiter auskotzen. Anstatt anzurufen, um die Störung zu melden, lässt man seinen Frust über dieses Medium ab und versucht so, an Hilfe zu kommen. Hier, liebe Kunden/Mieter, sei erwähnt, handelt es sich lediglich um ein Zusatzangebot und soll die Service-Hotline nicht vollständig ersetzen. Kein Anbieter stellt einen Mitarbeiter ab, damit dieser rund um die Uhr die sozialen Netzwerke betreut.

Deshalb: Wenn etwas stört, dann gilt es zum Hörer zu greifen und anzurufen. Denn die anschließende Rechtfertigung der am besagten Tag diensthabenden Callcenter-Mitarbeiter gegenüber dem Vorgesetzten kostet euer Geld. Für die betroffenen Mitarbeiter ist es unproduktive, bezahlte Arbeitszeit, was durch höhere Grundgebühren kompensiert werden muss.

Auch wenn’s das eine oder andere Mal schief läuft, nehmt’s mit Humor. Ich tu’s mittlerweile auch 🙂 Und wenn’s gar nicht mehr anders geht, schreibt an den Vorstand.

Ein Anrufer sagte mir heute: „Wir sind alle nur Menschen. Deshalb sollte man stets freundlich und fair miteinander umgehen. Ich weiß, dass Sie selbst nichts groß an dem Umstand ändern können, aber Sie können es wenigstens an die richtige Stelle weiterleiten, damit mein Anliegen bearbeitet wird.“

Man kann sich vorstellen, wie „geplättet“ ich von diesen Worten war. Endlich mal jemand, der meinen Job verstanden hat.

Alte Bäume soll man nicht verpflanzen

Vor fast 9 Jahren arbeitete ich sechs Monate lang in einem Pflegeheim für alte, hilfebedürftige Menschen. Diese wurden – soweit es das finanzielle Budget der Kranken- und Pflegekassen zuließ – liebevoll umsorgt und auch heute denke ich an die eine oder andere Bewohnerin mit einem Lächeln zurück. Die Arbeit hat dort wirklich Spaß gemacht.

In den vergangenen Tagen las ich in den Tageszeitungen, dass das Marie-Schlei-Haus (oben genanntes Heim) – im Berliner Bezirk Reinickendorf, Ortsteil Wittenau gelegen – in eine Unterkunft für Asylbewerber umgewandelt werden soll. Ursprünglich für 110 Pflegebedürftige gebaut, sollten dort ab Ende März/Anfang April 220 Asylbewerber unterkommen. Als Grund wurde die geringe Auslastung von 60-70% und die damit einhergehende Unwirtschaftlichkeit genannt.

Sowohl die Angehörigen der Bewohner, als auch die Mitarbeiter des Hauses wurden sehr kurzfristig darüber informiert. Und wie denken die Betroffenen darüber?

Nur weil ein Großteil der Bewohner unter Demenz leidet heißt es noch lange nicht, dass sie nicht mehr in der Lage sind sich klar zu äußern. Als Betreiber solcher Einrichtungen sollte man wissen, dass die Fähigkeiten der Betroffenen nur schubweise verloren gehen. In einem Moment des erneuten Anfalls erzählt der Erkrankte völlig wirres Zeug und im nächsten Moment erhält man ganz klare Antworten.

Nun sollen die Bewohner in andere Einrichtungen ziehen. Wohin, weiß man wohl noch nicht. Für die Angehörigen und vor allem für die Bewohner wird dies wieder eine erneute Zeit der Eingewöhnung mit sich bringen – nur ob die letztgenannten dies überstehen werden, ist fraglich.

Ein alter Baum wächst auch nicht mehr an, wenn er verpflanzt wurde.

Nachtrag: Das Bauamt des Bezirks Reinickendorf hat sich gegen die Unterbringung von 220 Asylbewerbern ausgesprochen – auch nur auf Grund der Anzahl. Allerdings werden die jetzigen Bewohner auf jeden Fall das Feld „räumen“ müssen.

Da steht ein Pferd im Regal…

Mittlerweile wird jeden Tag in den Medien darüber berichtet, dass erneut ein „Pferdefleisch-Skandal“ ans Tageslicht befördert wurde. Leider vergessen die nach Absatz und Einschaltquote schreienden Medien dabei meist die Zahlen auf den Tisch zu legen. Wer den Bericht eines großen Privatsenders gesehen hat wird wissen, wovon ich rede.

Vorausgegangen war unserem hiesigen Pferdefleischskandal die Meldung, dass in Irland als Schweine- und Rindfleischprodukte deklarierte verkauft wurden, die bis zu 30% aus Pferdefleisch bestanden. Natürlich wurde dies dort auf der Verpackung nicht entsprechend ausgewiesen. So machte sich der besagte Privatsender daran hier in Deutschland Fleischprodukte auf deren Qualität hinsichtlich der Reinhaltigkeit (schreibt man das so?) zu überprüfen. Herausgekommen ist folgendes:

In einem Produkt eines Supermarktes wurden „Spuren“ von Pferdefleisch (in Zahlen: 0,1%, entspricht bei 1 kg Hackfleisch 1 Gramm Pferdefleisch) nachgewiesen. Auch bei dem Brandenburger Betrieb, der in den letzten Tagen öfters in der Presse aufgetaucht ist, wurden keine größeren „Verunreinigungen“, als die oben genannten, festgestellt.

Wie man sieht, sprechen wir hier um Dinge, die sich im Promille-Bereich bewegen. Von „Betrug am Verbraucher“ kann hier in Deutschland – meiner Meinung nach – überhaupt keine Rede sein. Sollen die Personen, die dies behaupten, mal ohne Waage abschätzen, was 1 Gramm Fleisch bei einer Menge von einem Kilogramm sind. Womöglich würden alle Teilnehmer bei diesem Experiment durchfallen.

Hätten wir Zustände wie in Irland, dann könnte ich diese Hysterie durchaus nachvollziehen. Nur dazu wird es nicht kommen, da die Gesetze hier viel zu streng sind. Stattdessen machen sich jetzt sämtliche Supermärkte daran, die Lebensmittel umzudeklarieren bzw. zu vernichten (Pferdefleisch in diesen Massen ist ja auch sooo schädlich!).

Auf der einen Seite startet man teure Kampagnen, die zu einem sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln aufruft und auf der anderen Seite macht man sich ins Höschen, sobald 0,1% der verkauften Ware nicht das beinhaltet, was man eigentlich gekauft hat. Wer sagt mir denn, dass die gekaufte Flasche Wein tatsächlich 10,5 Volumenprozent an Alkohol hat und nicht 12 oder 13?

Meiner Meinung nach stimmt dort irgendetwas nicht: Kaum wird durch ein Privatsender darüber berichtet, schon springen alle auf den anfahrenden Zug auf. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wer durch den „Skandal“ verdient. Ist es der Privatsender? Ist es die Politik oder gar die Nahrungsmittelindustrie? Das wird sich erst noch rausstellen. In vier Wochen wird man nichts mehr darüber lesen. Wetten?

Freuen wir uns nun also erstmal auf steigende Preise, durch die die Einnahmeverluste der Betriebe wieder wettgemacht werden sollen.

Und freuen wir uns auf die Werbung im Fernsehen, die für das Deutsche Reinheitsgebot beim Döner wirbt (im Jahr 2313 wird man in dieser lesen/hören: „Und das schon seit 300 Jahren“).

Aller Anfang ist schwer…

…so auch dieser.

Seit einiger Zeit verfolge ich schon die Blogs zweier Lehrerinnen. Da kam mir der Gedanke, dass ich dies genauso machen könnte. Zwar bin ich kein Lehrer, dafür aber ein Callcenter-Mitarbeiter, der jede Menge aus dem wirklichen Leben mitbekommt (nein, kein Lose-Verkauf und auch keine Druckerpatronen).

Zum Einen werde ich hier aus meinen Erfahrungen aus dem Berufsalltag berichten (wenn auch nicht täglich, weil soooo viel passiert da nicht) und zum Anderen wird es auch um aktuelle Themen gehen, die mich persönlich bewegen.

Bevor jetzt jemand denkt „Was interessiert mich das Geschafel um sein Privatleben“, den kann ich beruhigen. Es wird um Themen gehen, die uns alle angehen.

Über rege Diskussionen würde ich mich sehr freuen 🙂

Viele Grüße

Steven

P.S.: Wenn ich aus meinem Berufsalltag berichte, sind alle Namen frei erfunden