Man muss sich nicht alles bieten lassen!

Zur Grundausstattung eines jeden Callcenter-Mitarbeiters gehört neben dem Headset auch eine Glaskugel. Das Headset bekommt man in der Regel vom Arbeitgeber gestellt. Die Glaskugel muss der Agent selbst bezahlen – leider wird dies nicht vom Jobcenter bezuschusst. So ereignen sich Vorfälle wie dieser:

Kunde: „Ich hab eben mit einem Kollegen von Ihnen telefoniert und mit dem würde ich gern wieder sprechen.“
Agent: „Mit welchem Kollegen haben Sie denn gesprochen? Wir haben hier einige…“
Kunde: „Kann ich nicht sagen! Ich hatte eben unter der gleichen Nummer einen anderen Kollegen und den will ich wieder sprechen!“
Agent: „Solange ich nicht weiß, mit wem Sie gesprochen haben, kann ich Ihnen diesbezüglich nicht weiterhelfen.“

Um herauszufinden, ob er bei uns am Standort rausgekommen ist oder direkt beim Auftraggeber schob ich gleich noch folgende Frage hinterher:

Agent: „Hat er denn Ihre Daten sowie Ihre Telefonnummer aufgenommen?“
Kunde: „Nein, hat er nicht.“ (Im Anschluss des Gesprächs stellte sich heraus, dass der Kunde an dieser Stelle nicht ganz ehrlich war – man hätte sich damit so viel sparen können.)
Agent: „Dann ist der Mitarbeiter wahrscheinlich gerade im Gespräch, weswegen Sie jetzt bei uns rausgekommen sind. Worum geht es denn? Ich nehme Ihre Daten auf und leite es an die Abteilung weiter und jemand von dort wird sich dann mit Ihnen in Verbindung setzen.“

Der Kunde faselte irgendetwas von einer falschen Anzahl, die ihm geliefert worden sei obwohl er mehr bräuchte (wobei er meinem Kollegen etwas ganz anderes erzählte) und gab mir dann seine Daten.

Agent: „Ich habe Ihre Daten erfasst und die Kollegen melden sich bei Ihnen.“
Kunde: „Wann?“
Agent: „Das kann ich Ihnen nicht sagen, da ich nicht weiß, wieviel momentan dort in der Abteilung zu tun ist. Die Kollegen werden sich aber schnellstmöglich bei Ihnen melden.“
Kunde: (in einem etwas lauteren Ton) „Und wann soll das sein?!?!“
Agent: „Ich sagte Ihnen ja bereits, dass ich Ihnen das nicht sagen kann…“ (vom Kunden unterbrochen)
Kunde: „Ich will wissen, wann ich zurückgerufen werde!!!“
Agent: „Dazu kann ich Ihnen keine Auskunft geben. Sagte ich ja bereits!“
Kunde: (Gebrüll am anderen Ende) „Ist das ein Saftladen…Sie sagen mir jetzt sofort, wann ich den Rückruf erhalte!!!“

Habe nochmal versucht ihm das zu erklären…irgendwann hat’s mir gereicht und ich hab aufgelegt. Anschreien lassen (schon gar nicht von fremden Leuten) muss sich niemand.

Viele Anrufer vergessen, dass sie da keinen Sprachcomputer am anderen Ende haben, sondern einen Menschen. Sich über die aktuelle Situation beschweren ist ok. Aber trotz mehrfacher Erklärung weiterhin darauf zu bestehen, eine Auskunft zu erhalten, die ohne Glaskugel nicht machbar ist – das ist (sorry) einfach nur dämlich.

Das oben ist nur ein Beispiel. Ich nehme an, dass der Mitarbeiter des Unternehmens einfach nur gefrustet war und einen „Trottel“ gesucht hat, an dem er es auslassen kann – wäre ja nicht das erste Mal, dass ich sowas erlebe. Allerdings sind wir Service-Center-Mitarbeiter nicht für sowas da. Stattdessen sollten sich diese Leute einen Eheberater, Seelenklempner oder vielleicht einfach nur nen anderen Job suchen, damit sie etwas ausgeglichener werden.

Leider gibt es Situationen wie diese öfters. Und leider sind viele immer noch der Meinung „Wer nichts wird, wird…Callcenter-Agent“. Allerdings vergessen viele, dass die Callcenter-Mitarbeiter in Zeiten des Outsourcings immer mehr die Arbeit der Fachkräfte übernehmen und für 1/3 des Gehalts noch mehr leisten müssen. Selbst andere Abteilungen bei mir auf Arbeit sind jedes Mal erstaunt über das, was wir im Service-Center leisten. Und das hat schon was zu heißen…

Das „Rundum-sorglos-Paket“ der Hausverwaltung

Es gibt Anrufe, wo man sich fragt, in welcher Zeit die Leute leben. So auch heute bei einer Kollegin geschehen:

Mieter ruft an und fragt ganz erstaunt, weshalb die Wohnungsbaugesellschaft noch keine Abbuchung für den Strom getätigt hat, woraufhin meine Kollegin erklärte, dass er sich bei einem Energieversorger anmelden müsse.

„[…] Den Zählerstand beim Einzug finden Sie auf Ihrem Übergabe-Protokoll und Ihre Zählernummer im Mietvertrag.“
„Oh, das wusste ich nicht. Muss ich das jetzt alles nachzahlen?“
„Wie lange wohnen Sie denn schon dort?“
„Anderthalb Jahre…“
Das, was meine liebenswerte Kollegin zum Mieter sagte, lass ich jetzt hier mal weg. Für mich war es witzig, da es der Mieter eh nicht mitbekommen hat.
„Melden Sie sich bei einem Stromversorger Ihrer Wahl an und geben Ihren Zählerstand, welchen Sie beim Einzug hatten, an.“

Schlaue Füchse werden sich jetzt denken „Wieso sollte der den Zählerstand vom Einzugsdatum angeben?“. Ganz einfach: Der Grundversorger weiß alles und die Nachforderung wird so oder so kommen.

Dummheit schützt vor Strafe nicht.

Übrigens ist die Hausverwaltung auch nicht dafür zuständig, wenn im halben Bezirk der Strom weg bleibt bzw. das Kabelfernsehen ausfällt.

Da kann man den Mietern sagen „Ihr ganzer Ortsteil ist davon betroffen, der Energieversorger arbeitet bereits dran.“…und dennoch bekommt man ab und an vom anderen Ende der Leitung zu hören: „Ich zahl hier ’nen Haufen Miete, kümmern Sie sich gefälligst drum!“.

[Ironie {an}]: Selbstverständlich haben wir unsere Firmen beauftragt, um sofort an den Netzen der Kabel- und Energieversorger rumzuwerkeln 😉 [Ironie {aus}]

Hier sei angemerkt, dass diese Art Mieter, welche der Meinung sind, die Hausverwaltung müsse für alles verantwortlich gemacht werden, sehr hohe Einkünfte haben und im Vergleich zum Berliner Mietspiegel sehr wenig Miete zahlen.

In diesem Job steckt man mitten im Leben der anderen und deshalb liebe ich diesen so. Man hat immer etwas zu berichten, wenn man nach Hause kommt.

Ein typischer Donnerstag in der Telefonzentrale

Als ich im August 2012 bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen habe, warnten mich die Kollegen schon vor’m sogenannten „Kloppi-Donnerstag“. Bis dato war ich es gewohnt, dass jeden Tag irgendwelche Verrückten anrufen, die nicht so richtig wussten, was sie eigentlich wollten. Allerdings hielt sich das die Waage mit denen, die zivilisiert durch’s Leben gehen und auch auch die höflichen Umgangsformen beherrschen.

Anfangs wollte ich das nicht so richtig glauben. Mittlerweile ist fast ein Jahr vergangen und von Woche zu Woche muss ich mehr an die Warnung meiner Kollegen denken.

Es ist wirklich ein Phänomen: Am Donnerstag greifen die meisten Irren zum Telefon und rufen ihre Hausverwaltung an. Entweder wissen sie nicht, was sie wollen oder sie geben einem das Gefühl, dass man Chinesisch rückwärts spricht:

„Geben Sie mir doch mal bitte Ihre Mietvertragsnummer.“
„Die habe ich nicht.“
„Dann bitte Ihren Namen sowie Ihre Adresse.“
„0178…“
„Ich wollte nicht Ihre Handynummer haben, sondern Ihre Adresse.“

Ich glaube, das hatten wir hier schonmal…aber solche Dinge häufen sich an einem Donnerstag enorm. Natürlich gibts dann auch Mieter, die sich über völlig belangloses Zeug beschweren.

So gab es eine Meldung, dass schon einer Woche ein Nachbar seine Mülltüten vor die Tür gestellt hat.

„[…] Wahrscheinlich sind die in den Urlaub gefahren und haben einfach nur vergessen den Müll mit runter zu nehmen. Schicken Sie doch mal jemanden vorbei der sich das anguckt.“ (übrigens nach „Ich weiß ja, Sie können ja nichts dafür“ mein Lieblingsspruch schlechthin).

„Wenn sich jemand zwei volle Mülltüten anguckt, dann hat er bestimmt seine Freude und brauch sein Leben lang keinen Urlaub mehr.“ dachte ich mir und hab eine Meldung an den Hausmeister fertig gemacht.

Einige Leute sind einfach zu verwöhnt. Wenn mich etwas über einen längeren Zeitraum stört (wie z. B. oben genanntes Beispiel), dann pack ich selbst an, bring das Zeug weg, geb‘ der Hausverwaltung bescheid und teile den Namen des Verursachers/Nachbarn mit (dazu war die Dame nämlich auch nicht in der Lage).

Aber am allerliebsten sind mir die „Affen“ unter den Mietern:

„Ich will Frau Schmidt sprechen!“
„Sie sind Herr…?“
„Das tut hier nichts zur Sache! Verbinden Sie mich mit Frau Schmidt“
„Frau Schmidt würde schon gern wissen, mit wem sie es zu tun hat. Und vor allem worum es geht.“
„Egal…verbinden Sie mich jetzt. Sie haben ja eh von nichts ’ne Ahnung!“

Nach solch einem Kompliment verbinde ich Mr. X doch sehr gerne…also erstmal in die Warteschleife gedrückt, gedanklich ’nen Kaffee geholt (trinke ich sehr selten) und natürlich habe ich nicht versucht ihn zu verbinden. 😉

„Frau Schmidt ist momentan leider nicht am Platz. Darf ich ihr irgendwas ausrichten?“
„Sie soll mich zurückrufen!“ Nach diesen Worten war nur das Geräusch des Auflegens zu hören.

Auf den Rückruf wartet er noch heute. Leider war der „freundliche“ Herr nicht in der Lage seine Rufnummer mitzusenden. So ein Mist aber auch! 🙂

Die vergangenen elf Monate haben mir gezeigt, dass ich doch mehr auf meine Kollegen hören sollte. Schließlich sind sie schon viel viel länger dabei und kennen die Routine, die sich Woche für Woche einstellt.

Die Hausverwaltung – dein Freund und Helfer!

Es ist schon erstaunlich, was Mieter alles von ihrer Hausverwaltung erwarten.

So wird von der modernen Hausverwaltung erwartet, dass diese bei Prügeleien sofort einschreitet:

„Schicken Sie mal jemanden vorbei!“
„Und was soll unser Hausmeisternotdienst machen? Sich mitprügeln? Rufen Sie bitte die Polizei.“
„Das sehe ich nicht ein – schließlich ist das Ihre Aufgabe!“

Achso? Da schein‘ ich irgendwann nicht aufgepasst zu haben.

Die Hausverwaltung hat im Notdienst sofort und unverzüglich zu handeln. Während woanders Wohnungen durch Wasserrohrbrüche oder unachtsame Mieter absaufen wird natürlich erwartet, dass man alles stehen und liegen lässt, nur damit der Mieter um 20.00 Uhr – pünktlich zur Tagesschau – seine Ruhe hat:

„Jeden Abend spielt der lautstark seine Musik ab. Zwar höre ich nur die Bässe aber das nervt extrem.“
„Haben Sie denn schonmal mit Ihrem Nachbarn gesprochen?“
„Nö, ich dachte, dafür sind Sie da. Schließlich zahle ich einen Haufen Miete.“
„Wir sind für akute Notfälle da…“ – ich hätte an dieser Stelle gern weiter geschrieben. Aber in solchen Fällen fallen einem diese Art von Mietern sofort ins Wort.
„FÜR MICH IST DAS EIN NOTFALL!!“
„Wenn Sie sich maßgeblich in Ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, setzen Sie sich bitte mit der Polizei in Verbindung.“
„Das seh‘ ich nicht ein! […]“
 

Den Rest erspare ich euch. Und es geht noch weiter…ein anderer Fall:

„Bei mir wurde eingebrochen.“
„Haben Sie schon die Polizei verständigt?“
„Nein, ich dachte, Sie schicken erstmal jemanden vorbei, der sich das anschaut.“

Dachte dieser Mieter wirklich, dass sich unser Hausmeisternotdienst ein aufgebrochenes Schloss sowie eine durchwühlte Wohnung anguckt?
 

Brandaktuell:

„Es riecht nach Rauch! Schicken Sie sofort jemanden vorbei!“
„Haben Sie schon die Feuerwehr angerufen?“
„Nein, ich dachte, Sie schicken erstmal jemanden vorbei, der sich das anguckt. Außerdem bin ich auch nicht zu Hause sondern auf Arbeit. Meine Frau hat mich angerufen und mir gesagt, dass es verbrannt riecht.“

Natürlich schicken wir erstmal jemanden vorbei, während womöglich das halbe Haus schon in Flammen steht.

Allerdings bestand der Mieter penetrant darauf, dass sich die Hausverwaltung umgehend kümmert. Die Kollegin, die den Anruf erhielt, hat sich dennoch sofort mit dem Hausmeister in Verbindung gesetzt, der dann sofort zu diesem Objekt gesprintet ist. Es stellte sich heraus, dass…nix war.
 

Jeder sollte eigentlich wissen, dass es nicht die Hausverwaltung ist, die mit einem Löschfahrzeug vor das eigene Wohnhaus vorfährt. Auch sollte bekannt sein, dass nur die Polizei nach einem Einbruch Spuren sichern und gegen aktuell auftretender Ruhestörung (nach 22 Uhr) vorgehen kann. So jedoch nicht einige unserer Mieter.

Wenn mal wieder die Frage im Raum steht, was man verbessern kann, so wird „Nachhilfe für Mieter in vermeintlich (lebens-) gefährlichen Situationen“ definitiv als erstes von mir genannt.

In diesem Sinne…euch ein schönes Wochenende 🙂

„Warum funktioniert denn die Heizung nicht mehr?“

Diese Frage wird mir auf Arbeit mittlerweile desöfteren gestellt.

Sicherlich war der Monat Mai nicht DER Wonnemonat, wie er so oft dargestellt wird: Viel zu nass, zu sonnenscheinarm, aber – trotz des teilweise sehr kühlen Temperaturverlaufs – durchschnittlich warm/kalt.

Mittlerweile haben wir den 2. Juni 2013 und es kommt immer noch die Frage auf, weshalb die Heizungen nicht mehr funktionieren. Auf die Frage, welche Temperatur denn in der Wohnung gerade gegeben ist, werden die Mieter sehr einfallsreich: Von 12-16 Grad ist alles dabei (womöglich verfügen die Mieter über einen Internetanschluss und haben gegoogelt). Wenn man darauf hinweist, dass in den vergangenen Tagen die Tiefsttemperaturen die 12-Grad-Grenze nicht unterschritten haben (nach drei Nächten in Folge werden die Heizungsanlagen wieder eingeschaltet) bekommt man entweder ein „Woher wollen Sie denn das wissen?!?!“ oder ein Geräusch zu hören, was dem Auflegen des Hörers gleich kommt.

Nun könnte man sich fragen, was einige Leute mit ihrer Wohnung anstellen. Lassen sie den ganzen Tag den Kühlschrank offen?

An kühlen Tagen ist bewusstes Lüften das A und O für ein Auskommen ohne Heizung in den Sommermonaten. Anstatt an solchen Tagen den ganzen Tag das Fenster sperrangelweit offen zu lassen wird Stoßlüftung empfohlen. Sobald es draußen wieder wärmer wird, können auch länger Balkontür und Fenster offen bleiben.

Das schont das Portemonaie, die Umwelt sowie meine Kollegen und mich – letztendlich sind wir die erste Anlaufstelle, wo man sich dann wieder über die hohe Nebenkostenabrechnung auslässt.

Übrigens: Ich hab die Heizkörper seit Mitte April aus und habe hier kuschelige 18-20 Grad in der Wohnung – und das, obwohl in einigen Räumen das Fenster Tag und Nacht offen ist.

Deutsche Sprache, schwere Sprache…

Kaum aus dem Urlaub zurück (unter anderem auch ein Grund, weswegen ich hier längere Zeit nichts geschrieben habe) wird man vom alltäglichen Wahnsinn auf Arbeit wieder eingeholt. Die lieben Mieter gaben einem das Gefühl, während der 2,5 Wochen völlig verblödet und nicht mehr der deutschen Sprache mächtig zu sein. Oder sie wollten einfach nur austesten, wie fit man in einer sogenannten Telefonzentrale noch ist.

Ich: „Nennen Sie mir mal bitte Ihre Mietvertragsnummer.“
Mieter: „Sie wollen meine Telefonnummer? 017xxxx.“
Ich: „Nicht Ihre Handynummer…Ihre Mietvertragsnummer bitte.“
Mieter: „Ich hab Sie Ihnen doch gerade gegeben!“
Ich: „Das war Ihre Handynummer. Mit der kann ich aber Ihre Daten nicht aufrufen.“
Mieter: „Dann nochmal von vorn: 017xxxx.“

Oder:

Mieter: „Herr ‚Müller‘ ist schon auf dem Weg zu uns und ich wollte wissen, ob er schon unterwegs ist.“
Häää?

Oder:

Mieter: „Mein Elektroherd mit Gas funktioniert nicht mehr!“
Ich: „Haben Sie einen Gas- oder einen E-Herd?“
Mieter: „Na das Elektroherd unten im Gasherd ist kaputt.“ (O-Ton Mieter!)
Da denkt man sich „Danke für die Antwort“ 🙂

Es hat ungefähr zehn Minuten gedauert, bis man herausgefunden hat, was der Mieter eigentlich wollte (der Backofen vom E-Herd hat nicht mehr funktioniert).

Hätte meine Lieblingskollegin und Mobbingqueen nicht hinter mir gesessen, dann hätte ich ihr es in die Schuhe geschoben. So viel Mist an einem Tag hat man wirklich selten. Aber das ist es, was meinen Beruf so liebenswert macht.

In Zukunft wirds wieder mehr zu lesen geben…versprochen 🙂

Das „richtige“ Lächeln

„Steven, wo bleibt denn dein Service-Lächeln?“

Zu Beginn meiner „Callcenter-Karriere“ im Jahr 2006 habe ich diesen Spruch sehr oft zu hören bekommen. „‚Service-Lächeln‘ – was soll das eigentlich sein? Mich sieht doch hier keiner, wenn ich am Telefon grinse.“ dachte ich mir. Schließlich hatte ich vorher noch nie im Callcenter gearbeitet und wusste mit diesem Fachchinesisch nichts anzufangen.

Irgendwann erklärte man mir, dass man auch am Telefon hört, wenn man lächelt. Dies wurde einem in unzähligen Kommunikationsschulungen noch weiter eingetrichtert.

Mittlerweile sehe ich bei jedem Telefonklingeln so aus, als hätte ich mich frisch liften lassen: Die Mundwinkel weit nach oben gezogen, die Ohren angelegt und das Telefonat wird mit einem freundlichen „Herzlich Willkommen bei…“ begonnen – egal wie scheiße es mir gerade geht.

Wichtig ist, so die Trainer, dass die Anrufer nicht mitbekommen, in was für einem Gemütszustand man sich gerade wirklich befindet. „Wären doch nur all ihre Kollegen so freundlich wie Sie“ bekam ich schon desöfteren gesagt – obwohl ich gerade an diesem Tag hätte Gegenstände zerschlagen können.

Facelifting á la Kommunikationstrainer scheint Wunder zu wirken.

Komisch wird’s allerdings erst dann, wenn man auch privat anfängt, so zu telefonieren.

Herrscht nachts in der City bald Totenstille?

Immer mehr Leute zieht es nach Berlin. Während die Alt-Berliner mehr und mehr in die Außenbezirke verdrängt werden, weil sie sich die hohen Mieten nicht mehr leisten können, fallen die Neu-Berliner über die Innenstadt her. Äußerst beliebt sind die Altbezirke Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Friedrichshain – wo man übrigens kaum noch eine Wohnung findet, die weniger als 10,- Euro Warmmiete pro Quadratmeter kostet.

Vor 20 Jahren bezogen die Personen, die etwas von sich hielten, Stadtvillen in den verschiedensten Ortsteilen der Außenbezirke (z. B. Grunewald und Niederschönhausen). Man hatte zu jeder Tages- und Nachtzeit seine Ruhe und erreichte auch ohne Auto sehr schnell die Innenstadt. Heute hätte man gern dieses „Landleben“ mitten in der Stadt, weswegen es immer wieder Klagen wegen Ruhestörung gegen Club-Betreiber gab und immer noch gibt.

So mussten in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Discotheken schließen, weil sie die von den Gerichten auferlegten Lärmschutzbestimmungen aus finanziellen Gründen nicht hätten erfüllen können. Bei den Klägern handelte es sich fast nur um Zugezogene. In mehreren Fällen wurde auch direkt neben den Clubs ein Neubau errichtet.

Bei sowas stellen sich mir mehrere Fragen:

1. Haben die Leute keine Augen im Kopf, um bei einer Besichtigung zu sehen, was sich in ihrem womöglich neuen Wohnumfeld für „Läden“ befinden?
2. Wie kann man von einer Innenstadt erwarten, dass dort nachts Totenstille herrscht?

Berlin war bisher immer bekannt für sein Nachtleben. Wenn das so weiter geht, dann wird man bald einen Ort der Ruhe mitten in der Stadt vorfinden, wo man selbst das „Aufschlagen“ einer Feder auf den Erdboden hören kann. Selbstverständlich wird dann auch wieder geklagt.

Gruseliges aus dem Callcenter

Als Außenstehender könnte man meinen, dass Callcenter gleich Callcenter ist. Dem ist aber nicht so. Als Mitarbeiter im Service-Center der Telekom erlebt man ganz andere Geschichten als wenn man beispielsweise für Sky arbeitet. Allerdings hat man es hier nur mit Tarifberatung, Rechnungsklärung und Sperren zu tun (sofern man nicht im technischen Support sitzt).

Ganz anders ist es hingegen, wenn man für eine Hausverwaltung arbeitet. Hier ist man mitten im wirklichen Leben. Wenn ich an die Anrufe der Mieter bzw. Berichte durch meine Kollegen zurückdenke, wird mir immer noch ganz anders.

Beim ersten Anruf dieser Art (hoffentlich bleibt das vorerst auch mein letzter), schrie mich die Mieterin an und fragte, wann denn endlich die Reinigungsfirma in ihre Wohnung kommt. Meine ersten Gedankengänge waren „Was soll das denn??? Tickt die noch ganz richtig?!“. Noch bevor ich sie nach ihrer Anschrift fragen konnte, um nach dem Auftrag zu sehen, erzählte sie mir, dass sich jemand in ihrer Wohnung umgebracht hat. Alles sei blutverschmiert und sie würde es nicht länger in dieser Wohnung aushalten, um auf die Firma zu warten. Nachdem ich mich durch sämtliche Stellen telefoniert hatte (vom Hausmeister über die Polizei bis hin zur Reinigungsfirma), überließ ich dann meinem Kollegen den Rückruf. Letztendlich habe ich dafür über eine Stunde gebraucht und war zum Schluss auch mit den Nerven am Ende.

Nachdem mich dieses Thema noch tagelang beschäftigte (man macht sich ja doch so seine Gedanken nach solch einem Vorkommnis) beschloss ich, im Internet nach Pressemeldungen der Polizei zu suchen und wurde fündig. Demnach handelte es sich um einen Bekannten der Anruferin, welcher sich versucht hat, das Leben zu nehmen.

Übrigens: Die Reinigungsfirma konnte die Wohnung deshalb nicht säubern, weil diese noch durch die Polizei gesperrt war. Versucht das mal jemandem klar zu machen, der noch unter Schock steht.

Ein anderer Fall lässt mich nun bei seltsamen Geräuschen aufhorchen: So meldete sich bei einer Kollegin ein Mieter, der einen Einbruchsversuch melden wollte. Seine Frau hatte gerade das Haus verlassen, um Brötchen zu holen. Der Mann machte sich daran, den Frühstückstisch zu decken und hörte merkwürdige Geräusche an der Wohnungstür. Er dachte, dass dies seine Frau wäre, die etwas vergessen hat und das Schlüsselloch nicht findet. Als ihm das nach 1-2 Minuten komisch vorkam schaute er durch den Spion und sah, wie sich jemand am Schloss zu schaffen machte. Nachdem der Mieter auf sich aufmerksam machte, rannte der Täter die Treppen runter. Fassen wird man ihn wahrscheinlich nie.

Das erinnert mich an einen Vorfall in meiner Kindheit: Während unser damaliger Nachbar im Wohnzimmer saß und Ferseh guckte, stieg jemand durch das Speisekammer-Fenster (ca. 30-40 cm breit) ein, trat in den Käsekuchen und bediente sich am Schmuck unserer Nachbarin. Die Wohnung wurde durch die Wohnungstür wieder verlassen. Irgendwann erhielt unser Nachbar die Meldung, dass nicht weiter nach dem Täter gefahndet wird, denn das einzige, was man hätte, wäre ein Fußabdruck. Das ist jetzt ca. 20 Jahre her.

Im Gegensatz zu dem, was mich und meine Kollegen tagtäglich erreicht (Sonntagmorgen, 6.30 Uhr: „Muss ich jetzt hier selbst Schnee schieben oder wann kommt mal jemand vorbei!?!?“ – nach Erklärung = Eskalation; „Wieso sind die Mülltonnen noch nicht geleert?!?!? Sonst waren die ja auch schon um 9 Uhr da!!!“ – nach Erklärung = Eskalation), ist das schon harter Tobak. Ich hoffe, dass dies wirklich nur Einzelfälle bleiben und sich in Zukunft nicht häuft.

P.S.: Im erst genannten Fall habe ich bewusst auf weitere Details verzichtet, um so einen möglichen Wiedererkennungswert zu vermeiden.

Fällt der Frühling aus?

Wer heute Morgen im Osten und Norden Deutschlands aus dem Fenster schaute, traute seinen Augen kaum. Schnee, Schnee und nochmal Schnee – und das an einem 19. März! Hinzu kommen noch die Temperaturen, die in diesem Jahr bisher nur an vier Tagen jenseits der 10-Grad-Marke lagen (sagt mir meine Wetterstation! :)).

Bei diesen Daten könnte man meinen, dass es nicht normal wäre: So viel Schnee kurz vorm kalendarischen Frühlingsanfang, Temperaturen die kein bisschen an Frühling erinnern und so gut wie keine Sonne. Man kann dazu nur sagen: Wir Deutschen sind in den 90er und 00er Jahren zu sehr verwöhnt worden: Ich erinnere mich an Jahre, wo es im Februar schon frühlingshaft mild war (Temperaturen um 14 Grad). Auch der März hat sich in den zwei Jahrzehnten nicht lumpen lassen. Allerdings ist den seriösen Meteorologen nach ein Wintereinbruch im März keine Seltenheit.

Wer meint, dass wir bei Temperaturen um 2 Grad am Ende der unteren Fahnenstange angekommen sind, der irrt. Während wir vor einem Jahr 17-20 Grad in der Region Berlin-Brandenburg hatten, geht es in den kommenden Tagen noch weiter bergab: So werden am kommenden Wochenenende Höchstwerte von -3 Grad erwartet. In der Sonne wird einem dies nicht so vorkommen, da sie mittlerweile recht kräftig scheint. Allerdings empfindet unser Körper die aktuellen Temperaturen – im Vergleich zu den tiefsten Werten des vergangenen Winters – als wesentlich kälter, da dieser schon den Schalter auf „Frühling“ umgelegt und sich somit schon auf wesentlich höhere Temperaturen eingestellt hat.

Nach derzeitigem Stand sieht es so aus, als würde es bis zum Ende des Monats so weitergehen wie bisher – wenn auch mit leicht ansteigenden Temperaturen.

Irgendwann wird sich die Großwetterlage jedoch umstellen. Wir werden dann wahrscheinlich vom Winter in den Frühsommer „katapultiert“ und schon bei 25 Grad anfangen so zu schwitzen, wie im Sommer bei 37 Grad. Aber mit etwas Glück hat die Natur Erbarmen mit uns, lässt den Frühling doch nicht ausfallen und führt uns sanft in einen wundervollen Sommer.

Warten wir es ab 🙂